Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 177)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 179 — Reklame machen, wie wir es nicht wünschen können. Als zum ersten Male von dem Prozeß gesprochen wurde, hatten drei oder vier Blätter Leitartikel mit der Ueberschrift: „Differenzen im Zionismus4'. Ein Blatt schrieb sogar: „Ein zionistischer Streit ums Geld". Glauben Sie, daß das für den J. C. T. von Vorteil ist? Und dann haben Sie die Kühnheit, zu behaupten, daß ich gegen die Interessen des J. C. T. arbeite und Sie nicht? Glauben Sie, Mr. Cowen und ich sind die einzigen, welche gegen eine Aenderung der Statuten arbeiteten? Jeder Mensch, der in der Sache etwas weiß — mit Ausnahme der Advokaten — (lebhafte Heiterkeit), ist der Ansicht, daß der Prozeß zurückgezogen werden soll. Ich bin hier, weil ich die Ueberzeugung habe, die Wahrheit zu sprechen. Ich bedaure es nur lebhaft, daß die Aenderung, die Sie vorgenommen wissen wollen, nicht schon im ursprünglichen Memorandum stand. Machen Sie kein zweites Mal einen Fehler, nachdem Sie sc'hon das erstemal einen gemacht haben. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Gestatten Sie, daß ich Sie daran erinnere, daß das nicht bloß eine Frage des Statuts und des Memorandums, sondern auch des ursprünglichen Prospektes ist, der zur Subskription auf die Aktien einlud. Dort wurde gesagt, daß die Bank gegründet werden soll, hauptsächlich zum Zwecke der Kolonisation in Palästina und Syrien, aber auch anderswo. Glauben Sie, daß dieser Mißgriff an einem Tage umgeändert werden kann? Und nun will ich Sie in ein Geheimnis einweihen. Als der Plan der Kolonialbank in London zum ersten Male auf die Bildfläche kam, da weigerten sich zwei Männer in London, auf die Platform zu gehen, in dem Jewish Working-Klub, welchem Dr. Gaster präsidierte. Damals handelte es sich darum, für den J. C. T. Propaganda zu machen. Diese Männer weigerten sich aus Gründen doppelter Natur. Erstens waren sie der Meinung, daß es gefährlich sei, solange man nicht einen fachmännischen Manager gefunden habe, und zweitens waren sie dagegen, daß mit dem Gelde des Trusts irgendwo anders gearbeitet werden könne. Diese zwei Männer wurden in einer späteren Versammlung wegen ihrer Opposition von Dr. Herzl angegriffen. Es wurde ihnen gesagt, daß sie sich über den Sollicitor und über den Councillor stellen, und es wurde ihnen, höflich, wie immer, von Dr. Herzl gesagt, daß sie sich um ihre eigenen Angelegenheiten bekümmern mögen. Und nun werde ich Ihnen sagen, wer diese beiden Gentlemen waren: Mr. Cowen und Mr. Greenberg. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich erkläre Ihnen noch einmal, daß ich nichts unternommen habe seit jenem Momente, da die Generalversammlung und der Kongreß Beschlüsse gefaßt haben. Hätte ich dies für meine Pflicht angesehen, dann hätte ich mein Amt als Governor der Bank niedergelegt. Ich erkläre gleichfalls, nachdem der Prozeß schon begonnen hat: Sie laufen die größte Gefahr, wenn Sie ihn fortsetzen. Wenn Sie aber diese Gefahr auf sich nehmen wollen, dann gehe ich mit Ihnen, und wenn Sie sinken, sinke ich mit Ihnen. (Lebhafter, anhaltender Beifall im Saale und auf der Galerie.) Präs. Wolffsohn: Ich richte an unsere Gäste die Bitte, nicht durch Beifall an den Verhandlungen sich zu beteiligen. Es wäre richtiger, wenn der Beifall und das Mißfallen nur von den Delegierten ausginge. Denn die Gäste haben eigentlich dabei nicht mitzuwirken. Das Wort hat Herr Dr. Daiches. , Del. Dr. Daiches (mit Beifall und Händeklatschen sowie mit Zischen .Gegrüßt): Geehrter Kongreß! Weder Ihr Beifall noch Ihr Zischen wird mich aus meiner Ruhe bringen. Es ist ein hochernster Tag, der heutige, und wir müssen uns auch seines Ernstes voll und ganz bewußt sein. Wir baben hier das Schauspiel einer Doppelleitung, wir haben hier die Konsequenzen einer Doppelreiterei. Wir sehen hier, was es heißt, im Kabinett, Im Ministerium Leute zu haben, von denen die einen nach links, die