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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1907-01-01 · 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907 · p. Seite 89

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
Date
1907-01-01
Page
Seite 89 (sequence 87)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476270--2664-3478804
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— 89 — die tägliche konkrete Tätigkeit, dadurch, daß sie auf das tägliche Bedürfnis der Masse und dadurch, daß sie auf die konkreten Fragen der Massen jedesmal eine Antwort fand. Ebenso müßten auch wir verfahren. Und nun erlauben Sie mir, meine Damen und Herren, Ihnen vielleicht meine unmaßgebliche Meinung über diesen Punkt auszusprechen, da leider das engere A. C. und auch Herr Dr. Nordau uns diese Antwort schuldig blieben. Ich weiß, daß ich nicht als maßgebender Faktor sprechen kann, aber ich meine, daß ich auch im Namen vieler meiner russischen und vielleicht auch österreichischen Gesinnungsgenossen sprechen werde, wenn ich meiner Meinung dahin Ausdruck gebe, daß die materiellen Kräfte nur auf zwei Wegen angesammelt werden können, durch die nationalpolitische Tätigkeit in der Diaspora und durch die realpolitische Arbeit in Palästina. Einen anderen Weg gibt es nicht. Die national-politische Tätigkeit in der Diaspora soll dazu führen, daß die Zionisten schon jetzt alle Fragen und alle Bedürfnisse und alle Interessen vertreten können. Und wenn Herr Dr. Ehrenpreis kommt und den galizischen Zionisten Vorwürfe macht, sie hätten sich allzuviel mit nationalpolitischer Tätigkeit abgegeben und dadurch dem Zionismus geschadet, so möchte ich doch den ehrenwerten Herrn Dr. Ehrenpreis . . . (Zwischenruf seitens des Del. Dr. Loewe.) Vizepräs. Dr. Gaster: Order, Order! Keine Unterbrechungen, bitte! Del. Dr. Pasmanik: Herr Heinrich Loewe, Sie sind doch nicht zum Zensor des Kongresses ernannt, obwohl Sie dazu fähig wären, bitte also, schweigen Sie! (Zwischenrufe seitens des Del. Dr. Ehrenpreis.) Herr Dr. Ehrenpreis wird dann das Wort nehmen und mich widerlegen können. Vizepräs. Dr. Gaster: Orderl Order! Order! Das Wort werde ich Herrn Dr. Ehrenpreis geben, wenn er es wünscht. Jetzt bitte ich Herrn Dr. Pasmanik, weiter zu sprechen. Ich muß darauf bestehen, daß keine Unterbrechungen stattfinden. Del. Dr. Pasmanik: Herr Dr. Ehrenpreis hat den Vorwurf gemacht, daß die galizischen Juden zu viel natioanalpolitische Arbeit getan haben. Da muß ich Sie, Herr Dr. Ehrenpreis, fragen: Sie, respektive die bulgarischen Zionisten, haben keine nationalpolitische Tätigkeit in Bulgarien entwickelt, was haben Sie Zionistisches geleistet? (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Sie haben Ihre Kräfte nicht zersplittert, haben Sie mehr Zionistisches geleistet? (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich frage Sie: Was haben Sie Stärkeres, Größeres, wirklich Entwicklungsfähiges in Ihrer eigenen Umgebung geschaffen? (Lebhafter Beifall und Händeklatschen. — Rufe: Nichts!) Dagegen muß ich Ihnen sagen: Wenn die Zionisten nicht — besonders dort, wo große Judenmassen beisammen sind — eine politische Tätigkeit entwickeln, dann werden die Zionisten die Massen verlieren. (Sehr richtig!) Dann wird der Zionismus zu einer aristokratischen Bewegung der Kulturzionisten, von denen Herr Dr. Ehrenpreis geklagt hat, man hätte sie an die Wand gedrückt. (Beifall.) Herr Dr. Ehrenpreis, Sie haben nur einen Fehler begangen, nicht wir haben die Kulturzionisten an die Wand gedrückt, sondern diese haben sich selbst gedrückt. (Bravo, bravo!) Das ist ein gewaltiger Unterschied (Widerspruch) insofern, als der Zionismus allmählich die Form angenommen hat, die er eigentlich immer hatte, die er aber von Anfang an nicht vollständig klar entwickeln konnte. Der Zionismus entpuppte sich nämlich als großartiges Problem des jüdischen Volkes. (Beifall.) Denn wenn man sagt Regeneration usw., so mag dies in der schöngeistigen Literatur einen anderen Beigeschmack haben, aber soziologisch heißt Regeneration etwas anderes, da denkt man an die gesellschaftlich - ökonomische Wiedergeburt. Da waren eben die Kulturzionisten nicht vollständig am Platz. Deshalb sind Sie, Herr Dr. Ehrenpreis, im Unrecht, wenn Sie den Vorwurf erheben, man habe am

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