Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 84)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 86 — jüdischen Zeitungskorrespondenz und Ausbau des repräsentativen Organa des Zionismus. II. Gegenwartsarbeit in Palästina. Wirtschaftliche, kulturelle und organisatorische Tätigkeit. Im Sinne des Baseler Programms und der Resolutionen des 8. Kongresses soll das wirtschaftliche Vordringen, die kulturelle Hebung, die Organisation der Juden in Palästina ununterbrochen und in regster Weise gefördert werden. Hierbei ist jedoch das Tätigkeitsgebiet der Organisation von dem der Privatinitiative streng zu scheiden. Die Aufgabe der Organisation als solcher kann nur darin bestehen, die dauernden Bedingungen zur allseitigen Stärkung des jüdischen Elementes in Palästina zu schaffen. Daraus ergeben sich folgende Momente: i. Wissenschaftliche und kolonialpolitische Erforschung des Landes;. 2. Beratung von Privatpersonen und Korporationen bei Bodenkauf sowie sonstigen Unternehmungen; 3. Anregungen zur Meliorierung des Landes und zur Schaffung guter hygienischer Verhältnisse; 4. Verlegung der Haupttätigkeit der Jüdischen Kolonialbank nach dem Orient; 5. Anregung,, Organisierung und Ueberwachung von genossenschaftlichen und Privatunternehmungen, Avelche Arbeitsgelegenheiten für Juden schaffen; 6. Heranziehung intellektueller und organisatorischer Kräfte; 7. Ausbau des Informationsdienstes für die Einwanderung kapitalkräftiger und solcher Elemente, die kraft ihrer beruflichen Ausbildung sofort Arbeit im Lande finden; Hintanhaltung der Eirfwanderung unqualifizierter Elemente; 8. Wirtschaftliche, kulturelle und nationale Erziehung der palästinensischen Judenheit durch Initiative zur Gründung von Schulen, Vortragskursen, Bibliotheken, Zeitschriften und Vereinigungen; 9. Planvolles Zusammenarbeitenmit allen in Palästina wirkenden Körperschaften und Anstreben einer einheitlichen Vertretung derselben. III. Gegenwartsarbeit in den Ländern der Diaspora. 1. Rege Beteiligung der zionistischen Landesorganisationen an dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben; 2. Anstrebung einer dauernden Verständigung zwischen sämtlichen für Palästina tätigen jüdischen Körperschaften: 3. Initiative zur Gründung von jüdischen Kunst-, Literatur- und Kulturvereinen; 4. Die Stellungnahme der Zionisten zu jüdischen und allgemeinen politischen Fragen innerhalb der einzelnen Staatsgebiete bleibt dem Ermessen der Landesorganisationen vorbehalten.4' Meine Damen und Herren! Die organisatorischen Punkte, welche hier vorausgesehen waren, sollten durch ein Budget, welches nicht mehr als 100000 Mark jährlich betrug, durchgeführt werden. Wir haben, wie gesagt, darauf verzichtet, ein derartiges Programm dem Kongresse zur Votierung vorzulegen. Wir hoffen, daß eine Durchführung auf andere Weise ermöglicht werden wird. Hier auf dem Kongresse sollte nur der große Kampf und das Prinzip ausgefochten werden: Passivität oder Aktivität!: Geehrter Kongreß! Sechs Jahre haben wir infolge eines verfehlten. Systems für die positive Arbeit in Palästina verloren. Vier weitere Jahre mußten nach dem prinzipiellen Siege der Anschauung, daß reale Arbeit geleistet werden sollte, wieder verloren gehen. Vier Jahre hindurch haben wir blutenden Herzens zuschauen müssen, wie die Räder des Zionismus stillstanden, obwohl es in seinem Innern kochte und arbeitete wie in einer Maschine, die geheizt ist und die man nicht arbeiten läßt. Vier Jahre mußten wir zusehen, wie das Interesse am Zionismus erlahmte, wie andere Völker sich in Palästina festsetzten und wie man Palästina vor unsern. Augen verteilte. Heute kam der Augenblick der Entscheidung für uns, wie früher für andere Völker. Erhaben und rätselhaft wie eine Sphinx, so legte die Weltgeschichte dem jüdischen Volke eine Frage vor. Beantworten wir sie richtig, sind wir gerettet. Beantworten wir sie unrichtig,, werden wir für Jahrhunderte, vielleicht für immer in den Abgrund ge-