Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 227)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 229 — falls sehr ungünstig auf die Sammlungen eingewirkt, denn in vielen Kreisen, die sonst fleissig für den Nationalfonds gearbeitet hatten, vergass man im Streite für und gegen Uganda die Hauptsache, nämlich den Lebensnerv unserer Bewegung, die Beschaffung der Mittel für unser angestrebtes Ziel. Diese zwei Umstände vorausgeschickt und zugegeben, dass sie äusserst störend eingewirkt haben, müssen wir dennoch unser tiefstes Bedauern darüber aussprechen, dass die Institution des Nationalfonds bei unserem Volke bisher so wenig Verständnis gefunden hat, denn sonst müssten die Sammlungen trotz der hervorgehobenen traurigen Ereignisse, die im Golus bis jetzt nie aufhören, ein ganz anderes Ergebnis geliefert haben, als tatsächlich der Fall ist. Leider wird bei uns viel zu viel über Prnizipien und abstrakte Dinge geschrieben, viel politisiert und hauptsächlich viel zu viel kritisiert, während wir doch vor allem reeller, nutzbringender Arbeit bedürfen. Man darf nicht vergessen, dass jeder Kreuzer, der dem Nationalfonds zugeführt wird, eine nutzbringende Arbeit ist, denn wir alle müssen endlich einsehen, dass wir ohne Geld, ohne sehr viel Geld, absolut nichts erreichen werden. Freilich führen gar viele mit besonderer Vorliebe das stolze Wort von „unserem" Nationalfonds im Munde, sind auch stets bereit, phantastische Pläne zu schmieden, um die mühevoll zusammengebrachten Groschen in Rauch und Dunst aufgehen zu lassen: Aber für „unseren" Nationalfonds arbeiten und sammeln, Pfennig um Pfennig zusammentragen, damit es möglich werde, ein Stückchen Land zum anderen zu fügen, für solche prosaische Arbeit sind die Herren der grossen Worte nicht zu haben! (Lebhafte Zustimmung.) Wir müssen es leider besonders hervorheben, dass nicht in erster Reihe die obwaltenden traurigen Verhältnisse an dem schlechten Ergebnisse schuld waren, schuld sind vielmehr Tinsere Zeitungen, unsere Vereine, unsere Sammler und unsere Jugend. Wenn unsere jüdischen Blätter, zionistische und nichtzionistische, die sich oft in komischer Weise so gebärden, als wären sie die Retter des Zionismus, anstatt von eitlen, tändelnden oder gar geschäftslüsternen Hintermännern Artikel zu bringen, die nur dazu angetan sind, unsere ganze Bewegung zu diskreditieren, unsere Arbeit zu vergiften, alle gegen einander zu hetzen, die Funktionäre zu verbittern und zu verdächtigen, lieber all die grossen Mittel einer modernen Publizistik dazu benützten, für die Beschaffung der Mittel zu agitieren, Sammlungen anzuregen, Spenden entgegen zu nehmen