Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 154)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 156 — sich die Landesorganisation zusammen, welche in den einzelnen Ländern sich ihre eigene Organisation schafft. An der Spitze der Ortsgruppe steht ein Vorstand, an der Spitze der Landesorganisation das Landeskomitee. Da die zionistische Idee jedoch auch eine Weltanschauung bedeutet, in der die verschiedenartigsten Bestrebungen zu einem eigenartigen Ausdruck kommen können, so soll die Möglichkeit nicht ausgeschlossen sein, dass sich innerhalb der Schekelzahler und Ortsgruppen noch Vereinigungen mit Sonderzwecken bilden. Wenn diese Vereinigungen in einer Landesorganisation zu einer besonderen Bedeutung und grösserem Umfang gelangen, soll ihnen die Möglichkeit offen stehen, mit Genehmigung der Landesorganisation sich zu einem Bund von Vereinen zu einer Föderation auszugestalten. Ich kann hier jedoch nicht unterlassen, auf einen Punkt aufmerksam zu machen, der die Entwicklung unserer Organisation leicht unheilvoll beeinflussen könnte. Ich meine die Bildung der misrachistischen Fraktion. Wenn ich offen sein soll, muss ich sagen, dass die Anschauung der überwiegenden Mehrzahl der gebildeten Menschheit über die letzten Ursachen heute überhaupt keine religiös-teosophische, sondern eine kritisch-philosophische ist, auch wo sie den Königsmantel der religiösen Form umhängt. Auch ich stehe auf diesem Boden. Für mich ist die Religion aber ein heiliges Vätererbe, dass uns verschnürt und versiegelt anvertraut ist (Beifall), und an das ich nicht zu rühren wage. Ein Mysterium, ein verschleiertes Bild von Sais. Wen es gelüstet, der mag den Schleier heben. Es hat der Menschheit jedoch bis heute wenig Nutzen gebracht, sich über den Inhalt dieses Mysteriums zu streiten. Kein Erisapfel der griechischen Sagenwelt hat je solchen Hader entzündet wie der Kampf um religiöse Gesetze, Formen oder Symbole. Darum sei auch für uns als Organisation des ganzen ungeteilten Volkes die Religion ein unantastbares Heiligtum, das wir am besten dem Gewissen des einzelnen überlassen. Wenn wir aber genötigt sind, in unserer Mitte eine Organisation auf religiöser Grundlage zuzulassen, so muss dieselbe sich unter allen Umständen ebenso bereitwillig in die Gesamtorganisation eingliedern und unterordnen, wie dies bei den anderen Föderationen der Fall ist. Die misrachistische Organisation darf niemals eine Sonderbewegung neben dem allgemeinen zionistischen Ideale darstellen, sonst würde dieser Versuch mit derselben Sicherheit zu einem Zusammenbruch unserer Sache führen, wie bisher alle religiösen Sonderbewegungen im Judentum gescheitert sind. Das oberste Organ des Kongresses soll ein grosses A. C. bilden, welches alle bedeutenden Führer unserer Bewegung in sich vereinigt. Dieser neue Senat des jü-