Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 152)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 154 — sation wird Bestand haben, die nicht auf die Bereitwilligkeit ihrer Anhänger zählen kann, auch die schwersten Opfer des Intellekts für dieses kostbare Gut der Disziplin zu bringen. Es ist kein blosser Zufall, dass dieser Sinn für Manneszucht und Disziplin, für Ordnung und Planmässigkeit in der Durchführung politischer Ideen um so höher und entwickelter ist, je bedeutender die körperliche, materielle und geistige Entwicklung eines Volkes gediehen ist. Mit einer vollkommenen und wahren Bildung wird demnach auch immer eine peinliche Beobachtung aller durch Statuten oder Gesetze vorgeschriebenen Formen verbunden sein. Auch dies dürfte einen iVnlass dazu bieten, mit allen Mitteln die körperliche und geistige Entwicklung der jüdischen Volksmassen zu fördern. Häufig hat man auch in der Geschichte die merkwürdige Erfahrung gemacht, dass diejenigen Parteimänner, welche sich am unbotmässigsten erwiesen, und sich durch die Unterdrückung der persönlichen Freiheit am meisten beschwert fühlten, wenn sie sich einer höheren Organisation unterordnen sollten, sich als die schlimmsten Autokraten erwiesen, wenn sie an die Spitze ihrer Organisationen traten. Marat und D,ajnton, die Männer der grossen Revolution, sind die schönsten Beispiele für diese Tatsache. (Gelächter bei einem Teile der Deleg.) Wollen Sie andere, kann ich sie Ihnen aus der modernen Geschichte geben, vielleicht auch aus derjenigen der zionistischen Bewegung, verlassen Sie sich darauf. (Beifall.) Wenn wir nun die Form der Organisation im allgemeinen ins Auge fassen, so gibt es zwei Prinzipien, nach denen man verfahren kann, das eine ist das Prinzip der Dezentralisation, das andere dasjenige der Konzentration. Die Dezentralisation entspricht am meisten der jüdischen Eigenart, weil sie die Selbständigkeit des einzelnen Individuums am wenigsten beeinträchtigt, sowie auch der Tatsache unserer Zerstreuung im Golus. Die Konzentration ist ein Gebot politischer Notwendigkeit, weil sie die Gesamtkraft der Bewegung in wenige Hände vereinigt und dadurch eine rasche und unmittelbare Durchführung der Beschlüsse der obersten Organe der Bewegung ermöglicht. Beide Prinzipien nach Tunlichkeit zu vereinigen, wird die bedeutendste Aufgabe dieses Kongresses sein. Das politische Ideal für unsere Bewegung wäre eine Diktatur, welche die ganze Exekutivgewalt zu bestimmten politischen Zwecken in eine Hand legt. Leider ist der Mann nicht mehr am Leben, den wir allein als Diktator anerkannt haben würden. Darum ist es als ein glücklicher Gedanke zu bezeichnen, dass man beabsichtigt, diese Exekutivgewalt in die Hand eines dreigliedrigen Kollegiums zu legen, während das grosse Aktions-