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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1905-01-01 · 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905 · p. Seite 74

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
Date
1905-01-01
Page
Seite 74 (sequence 72)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 74 — sicher wir Juden sind es nicht. Unser Staat muss nicht auf Idealisten beruhen, sondern auf dem Kampf gewöhnlicher Menschen um ihr Brot. Idealisten können bloss die Bedingungen geben; sie können Banner und Idee liefern, sie können das Land geben, die Freiheit und die Bedingungen für eine autonome Regierung — aber das . ist alles, was irgend eine Macht auf Erden tun kann. Sie haben keine Institutionen zu schaffen, Sie brauchen sich nicht zu schämen, dass Sie nicht an jedem Kongress auf eine neue Kolonie oder eine neue Fabrik hinweisen können. Sie sind hier, nicht um Dinge, sondern um Bedingungen zu schaffen. Geben Sie dem Volk die Bedingungen, und es wird die Dinge schaffen. Alles, was Sie zu tun haben, ist, zu zeigen, dass wir uns mit jederrf Jahr den Bedingungen nähern. Dasselbe Missverständnis liegt der Idee zugrunde, dass, wenn wir das ostafrikanische Territorium annähmen, wir Zionisten nicht die Mittel hätten, es zu entwickeln. Es wird sich von selbst entwickeln. Wir haben nur Bedingungen zu schaffen, keine Dinge. Und die wichtigsten Bedingungen haben wir bereits geschaffen. Wir haben unserm Volk den WTeg geebnet zu einem freien Leben auf freiem Boden. Die Meinung, wir müssten. uns mit anderen Körperschaften verbinden, ist unsinnig. Das würde eine zweite ICA bedeuten. Das Volk muss den Staat gründen, nicht der Staat das Volk. So stimme ich mit H e r z 1 überein in der Ansicht, dass ein ostafrikanisches Territorium als ein Mittel,'"um nach Palästina zu kommen, annehmbar ist. Ich gebe Ihnen 6 kurze Gründe an für meinen Entschluss : 1. Weil eine autonome Kolonie ausserhalb Palästinas bereits die Hälfte des Basler Programmes bedeutet. Es ist nicht Palästina selbst, aber es ist eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte. Man mag darüber streiten, ob es die wichtigere oder unwichtigere Hälfte sei, sicher ist es die schwierigere Hälfte des Weges. Ein Territorium zu erlangen, ist nicht schwer, aber die Selbständigkeit zu bekommen, nach 18 Jahrhunderten der Heimatlosigkeit wieder als eine Nation leben zu können, das ist ungeheuer schwer. Und wenn wir diese Gelegenheit versäumen, so weiss ich nicht, wann wir eine neue haben wrerden. 2. Das Basler Programm verlangt die Stärkung des jüdischen Selbst bewusstseins. Können Sie sich etwas denken, was besser diesem Zwecke dient, als wenn eine jüdische Flagge über jüdischem Lande weht? (Lebhafter Beifall.) Das wird Antizionisten und Nichtzionisten in Halbzionisten verwandeln, und Halbzionisten werden bald ganze Zionisten werden. (Beifall.) 3. Weil es ausserdem die Rettung von Zehntausenden, vielleicht Hunderttausenden von wandernden Juden bedeutet und sie als eine organisierte jüdische Körperschaft auf eigenem Grund und Boden erhalten wird. Diese jüdische Auswanderung ist eine konkrete Tatsache, jährlich verlassen Hunderttausend das russische Reich. Warum sollen sie zerstreut und von fremden Zivilisationen verschlungen werden, welche ihr ganzes geistiges Wesen aus dem Geleise bringen? Sie werden zu einem gesünderen Leben herangezogen, körperlich und geistig, als in den übervölkerten Städten der alten und neuen Welt. Sogar die Herren Kaiser und W.ilbusch geben zu, dass das jüdische Volk so gut wie irgend ein anderes fähig ist, einen blühenden eigenen Staat zu bilden. Sind wir denn weniger geschickt als die Leute, welche in Sumpf und Wüste Venedig oder Australien oder Neu-England oder sogar die Salzsee-Stadt gründeten? Dass diese Schöpfung die Erwerbung Palästinas verzogern kann, ist möglich, aber die anderen Methoden sind nicht schneller, und wir hätten nicht den Trost der Selbständigkeit. 4. Weil wir von einem jüdischen Staate aus besser imstande sind, für den Zionismus zu arbeiten. Wir haben heute einige rührende Telegramme aus der Mandschurei erhalten. In einem jüdischen Staate werden wir imstande sein, unsere eigenen Geschäfte zu führen, nur unterbrochen,

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