Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 37)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476268--2249-3478388- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 39 — jüdische Leben in Argentinien zu üben. Trotz der starken assimilatorischen Gegnerschaft ist ein steter Fortschritt zu verzeichnen. Die vollständige Einigung der Gruppen wird bei der zweiten Landeskonferenz sicher erreicht werden. Auf dem VII. Kongresse sind 22 verschiedene Staaten aller Weltteile durch Delegierte vertreten, deren Zahl trotz des verdoppelten Zensus grösser ist, als in den früheren Jahren, ein Zeichen des lebhaften Wachstums unserer Bewegung. (Lebhafter Beifall.) Ganz besonders zahlreich ist wie immer die Delegation aus Russland. Auf wrelchem Gebiete man immer vom jüdischen Volke spricht, muss Russlands zuerst Erwähnung geschehen, leider steht es auch an erster Stelle, wenn man von jüdischer Not, von jüdischem Elend spricht. Es ist charakteristisch für die geringen Hoffnungen, welche die Juden für die Zukunft in Russland hegen dürfen, dass mit der elementaren Freiheitsbewegung, welche alle Geister ergriffen hat, parallel die schrecklichen Judenverfolgungen einhergehen. Kischinew ist kein ausserordentliches Ereignis mehr. Wer könnte sie aufzählen, diese Sclüachtstätten, wo so viele namenlose Helden ihr Blut lassen mussten als Opfer ihrer Stammes¬ und Glaubenstreue und des unausgesetzt geschürten Rassenxmd Volkshasses. Hornel, Zitomir, Melitopol und viele, viele andere Namen werden traurige Erinnerungen in der jüdischen Leidensgeschichte bilden. In einem Punkte jedoch haben sich doch die Zeiten geändert, indem die Juden sich nicht mehr wehrlos und geduldig wie S c h 1 a c h 11 i e r e hinmorden lassen, sondern mutig und kühn sich gegen die überwiegenden Angreife,rmassen zur Wehre setzen und ihr Leben sehr teuer verkaufen (Lebhafter Beifall) und wie Dr. Tschlenow in seinem Berichte an die russische Landsmannschaft stolz hervorhebt, ist es das Verdienst des Zionismus, dass bei der jetzigen Freiheitsbewegung in Russland unsere Brüder nicht dem Beispiele der westeuropäischen Juden folgen und Assimilation treiben, sondern überall als N ational juden auftreten (Lebhafter Beifall) und als solche am Befreiungskampf sich beteiligen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Die jüdische Auswanderung aus Russland hat im letzten Jahre erschreckende Dimensionen angenommen. Der Zunahme der zur Auswanderung treibenden Motive steht aber eine immer geringere und beschränktere Zahl der Länder gegenüber, denen sich die Emigranten zuwenden können, und die Frage „Wohin?4' wird immer aktueller und dringlicher. Die