Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1905-01-01 · 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905 · p. Seite 30

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
Date
1905-01-01
Page
Seite 30 (sequence 28)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476268--2240-3478379
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 30 — edler Männlichkeit, ja ein neuer Typus —ein Bild jüdischer Männlichkeit! Wie leuchtete sein Auge, wie stolz hielt er sein Haupt, wie hinreissend war seine Sprache! Wer hat da geahnt, dass er ihn zum letzten Male in der Oeffentlichkeit sehen werde, dass Herzl mit diesen Worten sein irdisches öffentliches Tun zum Heile und Wohle seines Volkes beschlossen habe! Sein Verlust in diesen jungen Jahren war der herbste, schwerste und unerwartetste Schlag, der den Zionismus hatte treffen können. Wie vertrauten wir alle auf ihn — was hatten wir ihm aufgeladen — was hatten wir von ihm noch erhofft und erwartet! Und nun musste er seine Schöpfung, seine Idee, die er so gross erfasste, die er so begeistert der erstaunt aufhorchenden Judenheit verkündet hatte, lassen — wahrlich das jüdische Volk hat kein Glück! Zweitausend Jahre hatte es darauf warten müssen, bis der Mann komme, der mit dem glühendsten Idealismus auch die praktische Tatkraft verband — der nicht bloss aneiferte, nicht bloss begeisterte, sondern auch in vollster Nüchternheit, mit kühlster Berechnung, mit weitausschauender Voraussicht, mit .unermüdlicher Ausdauer und mit einem die Persönlichkeit vernichtenden Fleisse die Uebersetzung des Idealen in das Praktische anstrebte. Und als der Mann da war, da wurde er uns in der Blüte seiner Jahre entrissen — lange bevor er die biblische Altersgrenze erreicht, lange bevor er sein Lebenswerk vollendet hatte! Ihn preisen tausend Zungen und die Erkenntnis dieses reichen Lebens wird selbst in der Zeiten Lauf nicht untergehen. Für alle Zeiten hat er sich in das Herz seines Volkes eingegraben, das ihn den grössten unter seinen vielen grossen Söhnen angereiht hat und seiner n i e vergessen wird, so lange es noch wert ist, den trotz aller Bedrückungen und Erniedrigungen immer makellos gebliebenen Ehrennamen der Juden zu tragen. Unbeschreiblich war die Trauer des ganzen Volkes. Herzls Andenken wurde gefeiert nicht bloss von den Zionisten, sondern auch —' dies sei zur Ehre des jüdischen Volkes betont ■— von den Nichtzionisten und Zionsgegnern. Es war das ganze Judentum darin einig, dass Juda mit Herzl einen seiner grössten Patrioten, die Menschheit einen ihrer edelsten Söhne, die Geschichte eine ihrer hervorragendsten Gestalten verloren hat. (Lebhafte Zustimmung.) Dabei bekundete sich aber wieder einmal, dass ein grosser Teil der Juden den Zionismus noch immer nicht richtig erfasst und begriffen hat. Es glaubten viele, nunmehr dem Zionismus die Grabrede halten zu dürfen; sie meinten, der Zionismus sei

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.