Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 20)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 22 — die Welt dürfen nicht in Zweifel gelassen werden über das,, was wir eigentlich wollen. Ueber die Annahme oder Ablehnung des grossartigen Landangebots der Regierung Seiner britischen Majestät werden Sie sich in einer Sondersitzung zu entscheiden haben, der man in meines Erachtens vollkommen missverständlicher Deutung des Wortlautes und Sinnes eines Beschlusses des sechsten Kongresses den Namen eines ausserordentlichen Kongresses gegeben hat. Ich verweile deshalb jetzt nicht bei dieser hochbedeutsamen Angelegenheit. Das tiefe, doch besonnene Verlangen nach dem Lande unserer Väter, das zweifellos jeden Zionisten beseelt, das ihn erst zum Zionisten macht, hat bei einem Teil unserer Gesinnungsgenossen die Form einer nervösen Ungeduld angenommen, die nicht mehr warten zu können glaubt. Und da es nicht von uns abhängt, das Land unserer Sehnsucht sofort unter den Bedingungen zu bekommen, unter denen allein die Rückkehr in die alte Heimat ein Segen für unser Volk und die Lösung der Judenfrage wäre, wollen sie auf die von der Erfahrung verurteilten Methoden der Kleinkolonisation ohne öffentlich-rechtliche Grundlage und ohne vorherige Schliessung eines zweiseitigen Vertrags mit der Regierung Sr. Majestät des Sultans zurückgreifen. Sie werden zu der Lebensfrage Stellung zu nehmen haben, ob der Zionismus zu seinen vor-Herzlschen Ursprüngen umkehren, ob er wieder ein sogenannter praktischer Chowewe-Zionismus werden und mit einer gewaltigen Anstrengung des ganzen Judenvolks einige Dutzend Familien als subventionierte Trost- und, Hoffnungs-Kolonisten in Palästina ansiedeln, oder ob er auf der von Herzl eingeschlagenen Bahn, fortschreiten und eine grosse weltpolitische Bewegung bleiben soll, die nicht stille steht, ehe sie mjit Zustimmung und Mitwirkung der Mächte dem ganzen jüdischen Volke normale Daseinsbedingungen geschaffen hat, ihm zum Heile und der Gesittung zum Nutzen. Ich darf wohl die Hoffnung ausdrücken, dass Ihre Weisheit einen Mittelweg finden wird, der uns gestattet, die Ungeduldigen wenigstens teilweise zu befriedigen, ohne dass wir den Zionismus zu den Keimformen zusammenschrumpfen lassen, die er in den achtziger Jahren hatte. (Lebhafter Beifall.) Wir haben es immer betont: die zionistische Organisation ist kein Wohltätigkeitsverein; der Zionismus verteilt keine Almosen. Sein Ziel ist höher gesteckt. Er erkennt es als seine Aufgabe, die erlösungsbedürftigen Millionen des jüdischen Volkes in neue Lebensbedingungen zu versetzen, in denen sie kein Almosen mehr nötig haben sollen. (Lebhafter Beifall und