Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 266)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 265 — Nachmittagssitzung. (Beginn: 3 Uhr 45 Min. nachmittags.) Prof. Dr. Gottheil (verliest weitere Spenden für die Ostafrika-Expedition). Del. Crenowich (Buenos-Aires): Ich fühle mich verpflichtet, über die Lage der Juden in Argentinien zu berichten. Es ist schwer, die genaue Ziffer der jüdischen Bevölkerung festzustellen, weil selten die Religion angegeben wird. Sie belaufen sich jedoch schätzungsweise auf 35—40 000 Seelen und zwar ca. 8000 Kolonisten, 10—12 000 Juden in Buenos-Ayres und der Rest zerstreut in anderen Städten. 80 Prozent sind russisch-polnische Einwanderer. Die Einwanderung reicht auf die Gründung der Hirsch'schen Kolonien im Jahre 1S9S. Die Franzosen und Engländer sind meist wohlhabend, allerdings sind dieselben bereits bemittelt hierher gekommen. Der grösste Teil der jüdischen Bevölkerung ist aber arm, bringt sich als Hausierer und Makler fort und wird von der christlichen Bevölkerung als Schnorrergesindel gehasst, wobei die teueren Lebensvernältnisse sehr drückend empfunden werden. Die liberalen Berufe sind sehr schwach vertreten. Im ganzen gibt es sieben medicinae Doktoren. In geistigem Sinne stehen sie auch nicht hoch. Mit der Religion beschäftigt man sich bloss Jofn-Kipur. Die Jugend wird nicht besonders unterrichtet. In nationaler Leziehung übertreffen sie noch die übrigen Genossen. Der Zionismus trägt viel dazu bei, das geistige Niveau zu beheben. Stark wird die Assimilation betrieben. Es wurde eine Talmud-Thora für die Jugend errichtet. Früher wurden die Geschäfte am Jom-Kipur geschlossen und Zettel aufgepickt mit allerhand Ausreden: Krankheit oder sonst was. Die Kinder wurden gewöhnlich eingeschrieben als Protestanten. Schwer wird dem Zionismus der Kampf gegen die Verleumdung. Im Jahre 1897, als die erste zionistische Chewra gegründet wurde, hatte sie viel Gegner, namentlich in der Jewish Colonisation Assoziation. Versammlungen wurden verboten. In Buenos- Ayres bildete man zionistische Chewres, um den Zionismus einzuschläfern. Aber es nützte nichts. Die zionistische Bewegung machte trotzdem grosse Fortschritte. Von russischen Mitgliedern sind die meisten Zionisten. Die besten Zionisten sind die Kolonisten. Alle wünschen, nach Erez-Israel zu kommen. (Beifall.) Präs. Dr. Herz!: Ich werde jetzt, um mit den Berichten fertig zu werden, den Bericht über die Jüdische Kolonialbank verlesen lassen und dann die Debatten, die noch rückständig sind, abführen. Das Wort hat nunmehr Herr W o 1 f i s o h n. Del. Wolffsöhn : Die jüdische Kolonialbank hat ihre Geschäftstätigkeit erst zu Anfang des vorigen Jahres begonnen. lieber die Einzelheiten des Abschlusses wird der Bericht des Direktoriums in der morgen stattfindenden Generalversammlung ausführliche Mitteilungen bringen. Ich beschränke mich daher jetzt auf einige Mitteilungen allgemeiner Natur. Die jüdische Kolonialbank ist von uns nicht zum ausschliesslichen Geldgewinn gegründet worden, sonst wären nicht wir die Gründer. Sie ist vielmehr von uns ins Leben gerufen, um bei der Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina