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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1903-01-01 · 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903 · p. Seite 239

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 239 (sequence 240)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476266--2083-3478221
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— 239 — Die alten Zeiten des jüdischen Volkes im Osten Europas boten wenig Anlass zur Gründung, rationeller wohltätiger Anstalten. Zwar fehlen uns ausführliche primäre Quellen über die ursprüngliche Ansiedlung jüdischer Einwanderer in den Ländern Ost-Europas und über die parallel sich entwickelnde Wohltätigkeit, aber es kann kaum einem Zweifel unterliegen, dass jede Gruppe in ihrer Kehilla die Armenfürsorge übte; waren doch die Juden in jener Zeit nur auf sich angewiesen, und' bildete doch die Kehilla ein Surrogat einer zwar verkrüppelten, immerhin in manchen Hinsichten noch ganz autonomen Verwaltung. Je nach den Verhältnissen des Landes setzten die Juden auch in der neuen Heimat die Pflege der strenggläubigen Z e d a k a h fort, oder wandten sich der Gründung von eigenartigen Che w rot h- Zünften zu, worin freilich die Völker, unter denen sie lebten, ihre Lehrmeister wurden. Letzteres war die bei weitem verbreitetste Form einer halbwegs vernünftigen Selbsthilfe. Der Kahal hatte einen schwierigen Kampf mit den polnisch-litauischen Zünften auszufechten; denn immerfort brach der Hass des einheimischen Handwerkes in blutigen Aufständen aus. Wenn sieh ein jüdisches Gewerbe entwickelte, so war es der Kahal, der ihmeine Existenz sicherte und dieselbe beschützte. Er zwang nämlich die Zunft, mit ihm und nicht mit dem Einzelnen zu verhandeln. So besitzen wir schon von 1539 eine Urkunde über solche Verhandlungen aus der Stadt Lutzk. In^ Jaroslaw präsidierten während der Messzeit beide Kahal - kollegien mit dem Rabbiner an der Spitze. Ausserdem sorgten andere Beamte der Kahal - Administration für die Gründung von Gebethäusern für die jüdischen Besucher des Jahrmarkts; gleichzeitig hatten diese Beamte die Möglichkeit an der Hand ihrer Vollmacht, die Bürgschaft für jene Waren zu übernehmen, welche von vertrauenswürdigen jüdischen Kaufleuten auf Kredit gekauft worden waren. Der Kahal hatte für das Handwerk eine Institution der Zünfte nach der Art der christlichen ausgebildet. So finden wir schon im 17. Jahrhundert im polnisch-litauischen Eeiche sogenannte Pinkesaot h der Judenzünfte, d. h. Vereinschroniken mit Statuten der jüdischen Zünfte. Der Kahal sorgte für die Schulen, besoldete jüdische Gelehrte und unterhielt als Arme seine arbeitsunfähigen Mitglieder. Von nennenswerten grossen Wohltätigkeitsanstalten war in der alten Zeit keine Rede: von ihrem nationalen Zentrum abgeschnitten, hatten die Juden höchstens an den allgemeinen lokalen Institutionen sich beteiligen können, was aber schon um deswillen unmöglich war, weil die nicht jüdischen Institutionen für die Bedürfnisse der einheimischen Bevölkerungsklassen eingerichtet waren, mit denen, wie wir bei den Zünften sehen, sie fortdauernd um ihre Existenz zu kämpfen hatten, für sie keine Sorge zu tragen pflegten; und auch während der kurzen Epochen weitgehendster Toleranz, so lange jüdische Eigenart existierte, konnte von derartigen Mischungen

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