Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 217 (sequence 218)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 217 — Präs. Dr. Herzl: Um weiteren Wünschen, die laut geworden sind, zu entsprechen, und um dem Kongresse Gelegenheit zu geben, von der geographischen Lage des Landes, des Gebietes, welches wir bloss untersuchen wollen, bevor wir den Kongress zur Beschlussfassung einberufen, sich zu unterrichten, habe ich nach Massgabe der in dieser Kurzen Zeit zur Verfügung stehenden Mittel eine ganz flüchtige Skizze von der Hand eines Delegierten, der glücklicherweise auch Künstler ist, anfertigen lassen, die ich hier an der Wand anbringen lasse. Ich werde nunmehr Herrn Dr. N o r d a u bitten, zuerst die Worte des Mr. Greenberg zu übersetzen, die er in seinem eigenen Namen gesprochen hat. Dann wird die Uebersetzung des Dokumentes vorgelesen werden, welches ich dem Kongresse vorlegen darf. Dr. Nordau (stürmisch, akklamiert) : Mr. L. J. Greenberg sagte: Da ich persönlich von Herrn Dr. Herzl beauftragt war, mit der britischen Eegierung über die Ostafrikafrage zu verhandeln, würde es mir nicht richtig scheinen, eine Parteimeiimng vor dem Kongress über die Frage auszudrücken, aber es scheint mir notwendig, Ihnen zu sagen, da ss, soweit die bisher stattgefundenen Verhandlungen in Betracht kommen, wir uns nicht im geringsten Masse gebunden haben, das Anerbieten der britischen Eegierung anzunehmen, ein Anerbieten, ■ das, wie ich zu sagen wage, lediglich, ganz und gar, aus dem .Wunsehe hervorging, die allgemeine Verfassung des Judentums gebessert zu sehen, und das hervorging aus einer weisen und weitblickenden Schätzung der Fähigkeiten des jüdischen Volkes, - seiner Energie und" seiner Gabe zur Selbstregierung. Diese Schätzung unseres Volkes von Seite einer grossen und machtvollen Nation ist etwas so neues, ist der Art, in der wir gewöhnlich betrachtet werden, so entgegengesetzt, dass ich sicher bin, es wird Sie interessieren, zu erfahren, dass dies die Geistesverfassung der britischen Eegierung uns gegenüber ist. (Bravorufe.) Die Bestellung eines Ausschusses bindet uns in keiner Weise. Wir sind überhaupt nicht gebunden, so lange wir nicht gründlich alle Bedingungen und Umstände des Anerbietens, das uns gemacht worden ist, geprüft haben. Und diese Prüfung ist nicht möglich, wenn wir nicht den beantragten Ausschuss einsetzen. Ich denke, ich sollte Ihnen ebenfalls sagen, dass dieses Anerbieten Dr. Herzl zuerst von Mr. Chamberlain gemacht wurde. Aber so lange Dr. Herzl fühlte, dass noch die leiseste Aussicht war, mit Nutzen die Verhandlungen wegen El-Arisch fortzusetzen, erklärte er Mr. Chamberlain achtungsvoll, dass er es vorzog, sich auf die Ost afrikafrage nicht einzulassen. (Hört! Hört!) Aber als die Verhandlungen wegen Ei- Arisch gescheitert waren, war Mr. Chamberlain so freundlich, wieder durch mich Dr. Herzl mitteilen zu lassen, was er von Ostafrika dachte. Er sagte zu mir : als er in Afrika war, hätte er Gelegenheit gehabt, das von ihm erwählte Land zu sehen, und fügte hinzu: das ist ein Land, das Herrn Dr. Herzl passen dürfte.