Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 64)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 63 — Kongress-Tagesordnung gesetzt worden. Ich bin mit der festen Absieht nach Basel gekommen, liier das Wort nur zu verlangen., wenn ich dies infolge des Ganges der Erörterung als meine unabweisliche Pflicht eines Vertreters mehrerer Wählergruppen empfinden würde. Ohne solche sachliche Kötigung wollte ich auf meinem Platze eines achtungsvollen Zuhörers. Schweigers und Mitstimmers in Reih' und Glied verharren. Wohlwollende Kritiker haben in den letzten Jahren liebenswürdig unterstellt, dass ich mir einbilde, ich sei so etwas wie der Tenor des Kongresses, dessen Polle es sei, zu kommen, eine Heldenarie zu singen, Applaus einzuheimsen und mit Bücklingen nach allen Seiten abzutreten. (Heiterkeit.) Ich war entschlossen, auch den Anschein zu vermeiden, als wäre etwas an dieser von so augenscheinlicher Gerechtigkeit and Nächstenliebe eingegebenen Darstellung meiner Kongress-Tätigkeit. Ich bin mir zwar bewusst, hier niemals blosse Schönrednerei getrieben zu haben, gebe indes zu, dass schildernde Betrachtung der Vergangenheit und Gegenwart des jüdischen Volkes dem rein akademisch scheinen mochte, der nicht begriff, dass wir unsere Argonautenfahrt mit der Aufnahme des Mittagspunktes beginnen mussten. Diese unerlässliehe Arbeit des Schiffers ist nun getan. Jetzt haben wir uns mit dem Kurs zu beschäftigen. Weniger als je darf dieser Kongress eine Akademie sein. Blosse Rhetorik, „die Kunst für die Kunst", hat hier keine Stätte. Hier sollten nur nüchterne, kühl verständige Geschäftsreden gehalten werden. Zu einer solchen habe ich mir eben das Wort erbeten. Unser Präsident hat uns gestern zwei Tatsachen mitgeteilt, die über den vor uns liegenden Weg bisher ungekannte Helligkeiten verbreiten. Er hat uns eröffnet, class clje britische Regierung bereit ist, dem jüdischen Volke eine Landkonzession zu gewähren, nicht unter den Formen, iv denen derartige Konzessionen gewöhnlich erteilt werden, nicht zum Zwecke finjanzieller Spekulation und geschäftlicher Ausbeutung, sondern mit ausdrücklicher Betonung des Wunsches der britischen Regierung, dem jüdischen Volke Sympathie zu bezeigen und ihm bei seinen Bemühungen zu gründlicher Selbsthilfe beizustehen. (Stürmischer Beifall.) Der Vorsitzende hat uns ferner mitgeteilt, die russische Regierung habe ihm amtlich bedeutet, dass Pussland geneigt sei, unsere Bemühungen zur jüdischen Besiedlung Palästinas zu fördern. (Stürmischer Beifall.) Das ist min die diplomatische Lage, vor der die zionistische Bewegung steht. Vier Mächte, mit die grössten, die sich in die Herrschaft liber den Erdball teilen, haben, wenn nicht für das jüdische Volk, doch für den Zionismus freundliche Gesinnungen geäussert. S. M. der deutsche Kaiser hat unserer Bewegung bei ihrem Ursprung sein Wohlwollen ausgedrückt. (Lebhafter Beifall.) Die britische Regierung ist bereit, ihre Sympathie in Begleitung von köstlichen Imponderabilien in einer sehr greifbaren und praktischen Form, in