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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1903-01-01 · 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903 · p. Seite 4

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 4 (sequence 5)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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höheren, umfassenden Gesichtspunkte zu tadeln sind, weil sie hei all ihrer erwiesenen Unzulänglichkeit das Gewissen der solidarisch Verpflichteten beschwichtigen. „Je nun, man tut, was man kann!" ist ein bequemer Spruch. Es gibt vielleicht Leute, die ein ausreichend feines Gefühl der Selbstbefriedigung haben, wenn sie nach der Morgenblatt- Lektüre eines mittelalterlichen Judenmassacres der Zeitung eine bescheidene Geldspende zum Ausweise schicken. Doch auch Aver sich ehrlich nach seinem Vermögen selbst besteuert, hat mit Geld allein nicht genug getan. Das Geld gibt den Toten das Leben, den. Verstümmelten ihre Gesundheit, den Waisen ihre Eltern nicht wieder. Und wie will man mit solchen Almosen das Zittern derjenigen heilen, die zwar nicht am eigenen Leibe getroffen sind, aber in denselben Verhältnissen weiterleben? Die haben es noch nicht überstanden. Wir Zionisten gebrauchen eigentlich diese Argumente nur mit innerem Widerstreben. Es geht gegen unser Gefühl, Unglücksfälle politisch auszubeuten und einen agitatorischen JSTutzen aus dem Jammer ärmster Geschöpfe zu ziehen Aber es muss doch von dieser Stelle gesagt werde]i, mit welchem Schmerz und welcher Entrüstung wir die grauenhaften Vorgänge von Kischenew vernommen haben, und mit welchem Kummer es uns erfüllt, dass Juden unter solchen Bedingungen leben. Arme, sorgenschwere Existenzen haben dort unter Martern geendet. Wir wollen ihr Andenken ehren, uns um ihre Hinterbliebenen kümmern, und dann wollen wir unsere Zeit nicht mit nutzlosen Demonstrationen verlieren, sondern unsere lebendige Sorge den Lebenden zuwenden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Denn die blutigen Tage der bessarabischen Stadt sollen uns nicht vergessen machen, dass es noch manches andere Kischenew, und nicht nur in Kussland, gibt. Kischenew ist überall, wo Juden an Leib oder Seele gequält, an der Ehre gekränkt, am Vermögen geschädigt werden, weil sie Juden sind. Betten wir die, welche noch zu retten sind. Es ist die höchste Zeit, Wer überhaupt die sichtbaren Zeichen sieht, muss sehen, dass in der Lage eine geradezu verhängnisvolle Verschlimmerung eingetreten ist. Wir Zionisten haben diese Verschlimmerung seit Jahr und Tag vorausgesagt — und nun sie da ist, sind wir doch aufs schmerzlichste betroffen. In den letzten zwei Jahrzehnten, des neunzehnten Jahrhunderts glaubte man in jüdischen Gemeindekreisen an die Emigration als Allheilmittel. Das ging, wenn wir von allem anderen absehen — vom Elend der Wanderer, von der Grausamkeit neuer Verhältnisse, in die sie unvorbereitet gerieten, vom nationalen Verluste durch immer wiederholte Zerstreuungen, und so weiter — es ging doch nur so lange, als die Länder der Immigration sich gegen diesen Zufluss eines verzweifelten Proletariates nicht wehrten. Dies ist die neue Epoche, in die wir eingetreten sind. Die Einwanderungslänöer beginnen sich zu wehren, obwohl, nein, weil die

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