Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 441 (sequence 441)
- Language
- German, English, Hebrew
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441 Ausbildung eine besondere pädagogische zu erfahren. 3. Eben dieselben müssen nach Rang und Gehalt den anderen gleichgestellt sein. In den Fachschulen entfällt jeder Religionsunterricht. Wie haben unsere Lehrer zu wirken? Sie müssen vor allem die Geschichte unseres Volkes lehren und daraus die Musterbilder für jede Art guten Thuns gewinnen. Dieser Geschichte werden die heiligen Schriften als Quelle zugrunde gelegt. Darum und weil daraus Liebe und Interesse für unser Volk entstehen wird, werde das Kind bald in die Sprache unseres Volkes eingeweiht. Die Methode dieses Sprachunterrichtes sei die alte, rabbinische, das heisst, das Lesen und Einprägen des Textes vorerst, dann folgt die Grammatik. Von Arnos Gomenius bis auf unsere Tage wird diese Art des Sprachenlernens als die richtigste erkannt. Doch hat die Eintheilung des Bibelstoffes nach dem Grundgese ze zu erfolgen, dass die Entwicklung des einzelnen Menschen analog ist der des Volkes, dass also der phantasiemässigen die thatsächliche und dieser die speculative Erkenntnisstufe folgt, dass dem Heroenzeitalter der Menschheit auch ein Heroenzeitalter des Kindes parallel geht. Die Glaubens- und Pflichtenlehre ist aus den Geboten der Bibel, aus den Beispielen der nationalen Geschichte, aus den Uebungen des Hauses und dem Gultus des Tempels abzuleiten und so auf thatsächlichen Grundlagen aufzubauen. Nie sind sie dogmatisch zu lehren. Somit lautet unsere vierte Forderung: Reorganisation des gesammten Religionsunterrichtes nach wissenschaftlich-pädagogischen Grundsätzen. So vorbereitet, könnte man beruhigt dem Leben unseres Volkes entgegensehen. Wir würden eine Elite von Persönlichkeiten erzogen haben. Wir haben die Entwicklung von der Kindheit an in ideelle, ethisch würdigste Bahnen geleitet. Allein unsere Wünsche und Forderungen gehen auf ein fernes Ziel, auf lange Jahrzehnte hinaus. Sie sind zu verwirklichen, denn ihre Basis ist eine reale, aber es bedarf zu ihrer Durchsetzung steter Belehrung und der Machtmittel des Staates, beziehungsweise der Gemeinden. Als Programmpunkte für unsere Werbearbeit und Gulturbewegung sollen sie vorerst gelten und in die Herzen unserer Volksgenossen dringen durch Wort und Schrift! Bis da^in haben wir aber doch noch Aufklärung»- und Bildungsarbeit an den armen und schwachen Volksgenossen zu leisten. Es muss denen noch eine weitere Ausbildung des Geistes vermittelt werden, welche zu früh ins Leben traten, um sich zu erhalten, oder welche, minder befähigt oder träge, bei ihrer Entlassung aus der Schulpflicht noch nicht das Pensum beherrschen