Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 412 (sequence 412)
- Language
- German, English, Hebrew
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412 Del. Dr. Bernstein-Koluin: Ich möchte eine Frage an das Präsidiuni richten. Ich war zufällig im Saale nicht zugegen; da ich aber ein Mitglied des Permanenzausschusses bin und weiss, dass dort die Wahlen verschiedener Ausschüsse beantragt und für einen Ausschuss auch ich als eines der Mitglieder vorgeschlagen wurde, möchte ich erklären, dass ich in keinen Ausschuss eintreten kann und zwar deshalb ..... Präsident Dr. Eerzl: Wir sind jetzt bei der Wahl des A.-C. Ich kann diese Wahl doch nicht nach Belieben unterbrechen lassen. Ich habe über den Zwischenfall vorhin keine Bemerkung gemacht, weil ich ihn einer gewissen bereits eingetretenen Entnervtheit zugeschrieben habe und vor allem einem Missverständnisse der Herren. Die Herren haben nämlich geglaubt, dass eine prineipielle Abstimmung stattgefunden hat. Diese hat aber thatsächlich nicht stattgefunden. Wenn Sie nicht durch diese langen Commissions-, Landsmannschaftsberathungen etc. bereits so ermüdet und so entnervt wären, so wüssten Sie, dass es sich in diesem Falle um einen Irrtimm gehandelt hat. Herr Buber hat nämlich beantragt, dass man über seinen Antrag ohne Debatte die Abstimmung vornehmen solle. Der Congress hat aber entschieden, dass man über diesen Antrag nicht ohne Debatte abstimmen kann. (Sehr richtig!) Damit hat der Congress erklärt, dass ihm diese Frage zu wichtig erscheint, um darüber ohne Debatte abzustimmen. Ich interpretiere den Bescliluss des Congresses in dieser Welse und glaube nicht, dass ich mich darin irre. Folglich haben sich die Herren in einem Missverständnisse befunden und auf dieses Missverständnis habe ich Ihren Exodus zurückgeführt. Wenn ich aber eine Bemerkung daran nicht geknüpft habe, unter Berücksichtigung eben des Umstandes, dass wir alle schon so schwer ermüdet sind, so verwahre ich mich doch auf das energischste dagegen, dass Herr Bernstein-Kohan eine Präsidialentscheidung damit beantwortet, dass er sagt, man zwinge ihn, den Saal zu verlassen. Darauf werde ich es ankommen lassen. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Del. Dr. Bernstein-Kohan: Weil ich die Redefreiheit nicht habe! Präsident Dr. Eerzl: Herr Dr. Bernstein-Kohan meint., dass ich den Zankapfel hineingeworfen habe. Del. Dr. Bernstein-Kohan: Jawohl! Präsident Dr. Eerzl: Ich bin dieser Ansicht nicht. Ich kann mich ja natürlicherweise geirrt haben, und Sie werden von mir nicht gehört haben, dass ich meine Entscheidungen für unanfechtbar halte. Ich glaube, Sie wissen, dass ich mich nach Kräften bemühe, möglichst gerechte Entscheidungen zu fällen und irgendeinen Ausweg zu finden, um nicht die einen oder die anderen zu sehr zu erbittern. Dass man. wenn man überstimmt wird., sich fügen muss —- die Erbitterung darüber ist allerdings von Verhandlungen von Menschen nicht zu trennen, die in vielen Richtungen verschieden denken. Nun möchte ich aber nicht in die bisher guten Sitten unseres Congresses den neuen Brauch einführen, dass jemand, und wäre es der verdienstvollste, beliebteste und beste Freund, eine Entscheidung oder Verfügung damit beantwortet, dass er sagt: Sie zwingen mich, wieder den Saal zu verlassen!