Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 371 (sequence 371)
- Language
- German, English, Hebrew
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- Odesa 2× ep/1000834
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371 dieser Classe in Russland nur dann Zutrauen erwerben, wenn wir Capitalisten an der Spitze haben. Man mag noch so sehr Idealist sein, aber eine Bank ist mit Idealen allein nicht zu leiten., das meiste Geld haben doch die reichen Leute, wie ein bekanntes Witzwort sagt. Die Capitalisten sagen: Wie können wir zu einer Bank Zutrauen haben, von der jedermann eine Actie herumschleppt und sie zu verkaufen sucht? Sie sagen: Banquiers müssen das übernehmen. Banken müssen den Verkauf der Aetien übernehmen. Deshalb müssen wir also eine officielle Geschäftsstelle in Russland gründen, die ausschliesslich den Verkauf übernimmt und in die kaufmännischen Classen einzudringen vermag. Ich will nun zu den praktischen Gesichtspunkten übergehen, die mir böi meinem Antrage vorsehweben. Ich bin dafür, dass in Russland eine Bank «eröffnet werde, nicht unter dem Namen der Jüdischen Colonialbank, weil wir uns zu viel engagieren würden. 650.000 Rubel soll die Jüdische Colonialbank in London kaufen, 350.000 Rubel werden wir von den Capitalisten bekommen. Ich formuliere meinen Antrag: Es soll die Bank in Russland arbeiten, in der Weise, wie ich es vorgetragen habe, um die Aetien zu verkaufen und den Verkauf zu sichern. (Beifall.) Generalredner Del. Dr. AtcinowitsJci: Ich habe hier einige Tausend Aetien zu vertreten. Ich will keinen Lorbeerkranz hiefür, ich will nur sagen, dass ich das Recht habe, im Namen dieser Armeu zu sprechen. Als die Bankactionsfähigkeit erklärt wurde, wurde in der jüdischen Presse mehrfach die Frage ventiliert., was die Bank zu thun habe. Deshalb haben wir in Odessa Stellung genommen. Unsere Colonialbank ist ein politisch-finanzielles Unternehmen. Politik und Finanzen sind so eng miteinander verknüpft, wie im menschlichen Körper Herz und Lungen. Das Herz kann schlagen, Blut und Nahrung dem Körper zuführen, wenn die Lungen Luft bekommen. Unsere Politik ist das Herz, aber dieses wird nicht schlagen, nicht Nahrung dem jüdischen Volke zuführen, solange die Finanzen, die Lungen keine Luft bekommen. Das Herz ist Palästina. Weshalb sind Sie dagegen, dass die Luft für dieses Herz von überall herbeigeschafft werde, wo Juden wohnen. Sie müssen Finanzen schaffen für dieses Herz. Wir in Odessa haben protestiert, als wir sahen, dass ein Statut eingeführt werden sollte, wonach die Bank auch im Golus zu thun hat. Wir haben dem Dr. Herzl Schwierigkeiten gemacht. Ich stelle fest, wir haben keine einzige Actie jetzt in Russland verkauft. (Widerspruch.) Ich spreche ja von Odessa. Wir werden keine Actie verkaufen, wenn die Bank thatsäehlich nicht actionsfähig würde, d. h., dass sie nicht arbeitet. Es haben bei uns sehr reiche Leute Aetien gezeichnet, aber dieselben nicht eingezahlt. Wann bekommen wir Zahlung? Wenn die Bank actionsfähig erklärt wird, wenn die Leute sich sagen, ja das ist eine Münze, -die etwas wert ist. Ich resümiere. LTnser Herz ist Palästina^ wir müssen aber dazu die Mittel überall schaffen. Wir müssen bei uns in Russland eine Abtheilung haben. Wir können vielleicht Verluste haben, aber das erinnert mich daran: Wenn ich hungere und essen will, kann es mir schaden? (Heiterkeit.) Wir anüssen anfangen zu arbeiten. Selbstverständlich müssen wir dem Directorium 24*