Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 193)
- Language
- German, English, Hebrew
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193 Abrede. Sie erklären^ class sie alle?, was sie vorbringen, sagen würden, wenn die Einwanderer Christen wären. Wenn man in Erwägung zieht, dass dasselbe heftige Geschrei stattfand, als die Hugenotten oder Wallonen einwanderten, so halte ich ihre Geltendmachung grösstenteils für richtig, ja sogar für aufrichtig. Die Agitation gegen ausländische Einwanderung wird auf ökonomische Gründe zurückgeführt, so wenig stichhältig sie auch sind. Aber wie dem auch sei, so ist die Frage nichtsdestoweniger eine jüdische, da man sich thatsächiich nur über die Einwanderung der Juden beklagt. Auch darf nicht ausser Erwägung gelassen werden, dass die ökonomischen Einwürfe theilweise darin bestehen, dass die uneingeschränkte Einwanderung der Juden den steigenden Einfluss der letzteren geradezu befördere. Da ich vor einem Congresse rede, welcher viele Repräsentanten zählt, die in Ländern leben, wo der Judenlaass allgemein ist, so brauche ich mich über diesen Punkt weiter nicht zu verbreiten. Nur so viel sei gesagt, dass, obgleich die Agitation in England gegen Ausländer nicht geradezu gegen die Juden gerichtet ist, es durchaus keinem Zweifel unterliegt, dass die Thatsache, dass die meisten Einwanderer Juden sind, viel mit der Bewegung zu thun hat. Es ist eine Thatsache, class die russischen und polnischen Einwanderer neue Methoden in einigen Industrien einführten, vorzugsweise in der Schneiderei, Schuhmacherei und in Kunsttischlerarbeit. Diu* Engländer nehmen neue Ideen höchst ungern an, sie betrachten sie zuerst mit stolzer Verachtung, wüthen fürchterlich dagegen und nehmen sie schliesslich mit Unwillen an. Aus diesem Grunde war der Empfang aller ausländischen Einwanderer ein unfreundlicher, die Geschichte liefert eine lange Liste von Beispielen leidenschaftlicher Ausbrüche gegen Einwanderer, von Appellationen an die Regierung von Seiten der betroffenen Geschäfte und Handwerker, von besonderen Gesetzen, welche entweder den Schutz der Ausländer bezweckten oder um ihnen Einhalt zu thun. Der polnische und russische Einwanderer hat, wie man zu sasen pflegt, das Gewerbe „aus Rand und Band" gebracht, er ist deshalb demselben Widerwillen ausgesetzt, mit welchem jeder Einwanderer behandelt worden — mit vielleicht theilweiser Ausnahme der Hugenotten — der bei seiner1 Ankunft störend auf eine Industrie gewirkt. Aber abgesehen von allen Gefühlen, welche gegen den Juden als solchen existieren mögen-—wie Furcht vor seinem steigenden Einflüsse — darf bei der Einwanderung russischer und polnischer Juden im Vergleiche mit anderen Einwanderern nicht ausseracht gelassen werden, dass, obgleich letztere wohl auch neue Methoden oder neue Gewerbszweige einführen mögen, Juden nie mit der -allgemeinen Bevölkerung verschmelzen. Die neuen Methoden und neuen Gewerbszweige verbleiben daher umso länger in den