Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 96)
- Language
- German, English, Hebrew
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96 die nöthigen öffentlich-rechtlichen Sicherheiten enthalten muss, können wir eine grosse praktische Colonisation beginnen. Für die Gewährung dieses Charters werden wir der türkischen Regierung grosse Vortheile vermitteln. Das konnte und kann aber nicht vom Congresse aus geschehen, der die hiezu erforderliche juristische Persönlichkeit nicht hat. Es musste für diese Abmachungen ein eigener Contraheilt geschaffen werden. Das ist die Jüdische Colonialbank! Der Herr Präsident Hat in seiner Eröffnungsrede über den Charter ausgesprochen, dass die Jüdische Colonialbank die juristische Person sein soll. Die Colonialbank ist also ein politisches Unternehmen im höchsten Sinne des Wortes. Da werden Sie schon den Schweizer Bürgern entschuldigen, wenn sie nicht aus Principienreiterei — wir sind ja am wenigsten Principienreiter — sondern aus Nützliehkeitsgründen dieser Anschaung nicht sind. Wenn es heisst, dass eine Anzahl von Personen, hundert z. B., sich vereinigen, um ein Geschäft zu gründen, da sagt sich jeder: So viele Aetien, so viele Rechte. Dieses Princip ist aber fehlerhaft, wo von einem politischen Institut die Bede ist. Hier handelt es sich nicht um eine Handelsgesellschaft, sondern um ein politisches Institut. In der Schweiz würde es niemand begreifen, wenn man sagen würde, irgend ein Stimmberechtigter, der sonst 1000 Pres, jährliche Steuer zahlt, hat 10 Stimmen, und wer 100 Frcs. zahlt, hat eine Stimme. Wir könnten es auch nicht begreifen, wenn jemand, der 10.000 Frcs. Steuer zahlt, in eine Behörde gewählt werden könnte, der aber nicht, der 1. Frcs. Steuer zahlt. Bei einem so wichtigen Unternehmen kommt auch ein anderes Moment in Betracht. Ich will in keiner Hinsicht irgend jemandem der bisherigen Directoren nahetreten; ich habe zu ihnen das vollste Vertrauen. Aber wir müssen mit der Zukunft rechnen. Ich wäre dankbar, wenn man mir Auskünfte geben wollte, wer über 500 Shares verfügt. Es sollen im ganzen acht Actionäre sein. Mein Gewährsmann sitzt hier, er ist Mitglied der Schweizer Delegation und hat es mir gesagt. Uebrigens ist dies gleichgültig. Jedenfalls wird die Sache ad absurdum geführt, wenn 100 000 Stimmberechtigte die Macht haben, 8 zu wählen. Dadurch wird es klar, dass die Zahl der Gewählten eine geringere ist, und, da wir uns sagen müssen, dass mann unter Umständen viel Geld haben kann, aber nicht unter allen Umständen eo ipso ein bestimmtes Gehirn haben muss, so kann man nur über eine kleine Anzahl von Mensehen verfügen, welche die nöthigeii Qualitäten besitzen, und wenn für die Direction Herren nothwendig sind, die dieses besitzen, so muss man sagen, dass das Interesse eines politischen Instituts darin liegt, dass man Gelegenheit habe, bestimmte Personen, die -bestimmte Fähigkeiten haben, zu wählen. Deshalb stimmen wir dem Antrage Mozkin zu. Wir haben aber auch einen Zusatz-Antrag, nämlich eine Resolution. Wir sagen: Es wird die Colonialbank verkannt. Man stellt sich dieselbe mehr als ein Gesehäftsunternehmen vor. Wir Juden sind in der Hauptsache ein Handel svolk. und die ganze zionistische Bewegung strebt danach., stets im Sinne dieses Milieus zu bleiben. Wir glauben nicht, an der Spitze müssen Kaufleute stehen. In keinem Staate, selbst nicht in England und Holland, besteht ein Ministerium aus lauter Handelsleuten. Es gibt einen Minister des Handels,