Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 58)
- Language
- German, English, Hebrew
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58 Boden aber uns erst erobern, und dessen sind -wir uns bewusst. Wir können uns durch solche Jereniiaden (lebhafte Heiterkeit) eines neuen Jeremias nicht abschrecken und einschüchtern lassen, wir wollen und werden das Ziel erreichen. (Lebhafter Beifall und Händeklatsehen.) Del. Hermann Gabriel: Meine Damen und Herren! Es war nicht meine Absicht, hier das Wort zu ergreifen, weil ich der Ansicht bin, dass eigentlich schon zu viel gesprochen wird. Ich habe aber die Ehre, der College des Herrn Dr. Jeremias zu sein. Herr Dr. Jeremias ist nämlich der Vertreter der Stadt Posen, und ich bin von Posen-Neustadt. Da ich aber mein Domicil in Berlin habe, kann ich nicht umhin, den Worten des Herrn Dr. Jeremias zu widersprechen. Es hat allerdings Herr Dr. Bodenheimer bereits in treffender Weise die Angriffe zurückgewiesen; ich hatte mich aber vorher schon zum Worte gemeldet und konnte das damals noch nicht wissen. Gestatten Sie .nun auch mir, den Ausführungen des Herrn Dr. Jeremias entgegenzutreten. Ich möchte Herrn Dr. Jeremias, den ich sehr schätze — ebenso wie Herrn Dr. Klee — als theoretischen Zionisten bezeichnen; denn er hat bisher noch nicht bewiesen, dass er es verstanden hat, seine geistreichen zionistischen Ideen in die Praxis umzusetzen. Herr Dr. Jeremias, der ein sehr guter Zionist ist, hat es bisher noch nicht verstanden, in der Stadt Posen, die ein sehr gutes Ackerfeld für den Zionismus ist, eine grössere Bewegung ins Leben zu rufen; deshalb glaube ich, dass seine Angriffe gegen die Berliner Zionisten unberechtigt sind. Ich habe erst seit kurzem die Ehre, in der Bewegung in Berlin zu stehen, habe aber mit Bewunderung gesehen, mit welchem Eifer, mit welcher Hintansetzung ihrere persönlichen Geschäfts- und Privatinteressen namentlich die Herren aus dem Vor stände ans Werk gehen, um Propaganda zu machen und den Boden in Deutsehland zu beackern. Aber vergessen Sie nicht, dass, wie Herr Dr. Bodenheimer bereits ausgeführt hat, gerade dort uns das Leben von unseren Gegnern sehr schwer gemacht wird, namentlich von solchen, deren Judenthum gewissermassen im Absterben ist. Ich kann mich allerdings auch nicht der Ansicht des Herrn Dr. Klee anschliessend dass wir ganz zufrieden sein können. Ich möchte sagen, wir haben gearbeitet und vorwärts zu kommen gesucht, aber deshalb ist doch natürlich erst ein kleiner Theil von dem geschehen, was wir beabsichtigen. Aber was wir in Berlin und in Deutschland bisher geleistet haben, namentlich im letzten Herbst, hat besonders das Gute, das in Berlin in jeder Gesellschaft, in jeder Familie jetzt vom Zionismus gesprochen wird, das ist ein Verdienst, das nicht hocli genug anzuschlagen ist. Ich kann von mir selbst sagen, dass es mir gelungen ist, in Familien, wo der Zionismus bisher mit Holm und Ironie behandelt wurde, Anhänger zu gewinnen, nachdem sie mit der Idee des Zionismus wirklich bekannt geworden sind. Deshalb kann ich nur meine Verwunderung ausdrücken, dass Herr Dr. Jeremias sich dazu hergegeben hat, Angriffe gegen die Bewegung in Deutschland, gegen den Vorstand und dessen Mitglieder zu machen, die ganz unberechtigt sind. Ich möchte mir erlauben, auf den Antrag eines der Herren zurückzukommen, dass das A.-C. besoldet werden soll. Diese Idee ist an sich nicht so* falsch, wie sie für den ersten Augenblick erscheint.. Aber bevor wir dazu übergehen, das A.-C. zu besolden,