Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 56)
- Language
- German, English, Hebrew
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56 haben kein Organ, haben keine Zeitschrift. Für die Magyaren gibt es derlei nicht. Das A.-C. hat sich noch nicht die Mühe genommen — ich will daraus keinen Vorwurf machen — einen zu delegieren, der berufen wäre, uns Licht zu bringen. Das A.-C. würde dadurch sehr viele Anhänger für den Zionismus gewinnen (Beifall), denn Ungarn ist ein Land, welches, was die Hauptsache ist, noch jüdische Juden hat. (Lebhafter Beifall.) Es wurde erwähnt, dass bereits in Ungarn der Antisemitismus beginnt. In Ungarn existiert kein Antisemitismus. (Widerspruch.) Ungarn hat Staatsmänner, die liberal sind; in Ungarn ist ein Graf Apponyi Präsident des Friedenscongresses in Paris. Wenn unsere Staatsmänner Kenntnis hätten vom Zionismus, würden sie wahrscheinlich denselben fördern. Es soll einmal ein Congress in Ungarn stattfinden; der Zionismus würde dadurch sehr viele Anhänger gewinnen. Ich empfehle nochmals, auf Ungarn Rücksicht zu nehmen und für Ungarn etwas zu thun. Dr. Bodenheimer: Verehrte Congressmitglieder! Ich hatte durchaus nicht die Absicht, zu diesem Punkte das Wort zu ergreifen, allein die Ausführungen des Delegierten aus Posen, Herrn Dr. Jeremias, zwingen mich, als Vorsitzenden der Centraivereinigung für Deutschland, dazu. Ich kann die Vorwürfe, welche Herr Dr. Jeremias an diesem Orte gegen die deutschen Vereine erhoben hat, nicht als begründet anerkennen und muss dieselben auf das aller entschiedenste zurückweisen. (Beifall.) Es war auch bei der Kritik der Thätigkeit des A.-C. durchaus nicht der Platz, speciell die Verhältnisse in Deutschland zu kritisieren und anzugreifen. Die Stelle, die dafür gegeben ist, ist die Delegierfce;i- Versammlung der Vereinigung für Deutschland. Ich bin aber nun genöthigt, zu diesen Bemerkungen Stellung zu nehmen, und da muss ich Folgendes be tonen: Herr Dr. Klee hat im Auftrage des Centralcomites einen kurzen Bericht über unsere Thätigkeit in Deutschland gegeben. Wir haben nicht die Absicht gehabt, den Congress mit der Erörterung der deutschen Angelegenheiten aufzuhalten, und deshalb ist vielleicht der Bericht etwas knapp ausgefallen; allein er beruht auf genauer Kenntnis der Verhältnisse im Centraipunkte der Bewegung in Deutschland. Dieser Bericht ist daher wohl viel zuverlässiger und wichtiger, als die Meinung des Herrn Dr. Jeremias, der seit drei Jahren an dem entgegengesetzten Ende Deutschlands, in Posen, arbeitet, ohne dass es ihm dem Anscheine nach gelungen ist, dort überhaupt nur eine zionistische Ortsgruppe ins Leben zu rufen. (Beifall.) Wenn Sie hier eine Kritik über die Thätigkeit der Zionisten Deutschlands und ihrer Führer üben wollen, so müssen Sie in allererster Linie berücksichtigen, dass von Deutschland die Protestbewegung gegen den Zionismus ausgeht, dass in Deutschland die geistigen Führer der Gegenbewegung sitzen, dass der Protest der Rabbiner von Deutschland ausgegangen ist, und cLass auf diesem Protest ein grosser Theil der Schwierigkeiten beruht, welche wir heute noch zu überwinden haben. Und diesen Schwierigkeiten entgegenzutreten, sie zu bekämpfen, war und ist die Aufgabe der Zionisten Deutschlands. Wir stehen auf einem exponierten Posten. Wir kämpfen als einzelne gegen ganze Gruppen; wir sind nur wenige, aber wir müssen das ganze Küstzeug der