Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 41)
- Language
- German, English, Hebrew
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41 lieh willkommen! Es sind unsere Brüder. Aber für den Fortschritt unserer Sache ist es zum mindesten ebenso wertvoll., wenn wir Ihnen durch eine viel langsamere, viel schwierigere Arbeit noch 20 000 westeuropäische, schon assimilierte, dem Judenthum schon halb verlorene Culturjiulen zurückbringen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Das können wir, meine Herren, aber nicht von heute auf morgen, und deshalb kann die Zahl unserer Sehekel nicht so anwachsen wie die Ihrige. Wir in Deutschland sind sogar am allerungünstigsten daran. Dem Proletarier ist der Zionismus leicht klar zu machen. Er braucht ihn für sich. Er ist sein Bettungsanker. Der Bewohner eines freien Staates, wie Amerika und England wird sich um der grossen Idee willen leicht anschliessen. Wir in Deutschland haben es mit einer jüdischen Bevölkerung zu thun, die in der Mitte steht, die nicht materiell genug gedrückt ist, um die Judennoth am eigenen Leibe zu spüren, die aber andererseits nicht frei genug ist, um ohne jede Xebenriieksieht einfach sich zu unserem Ideal zu bekennen. Bei uns geniert man sich oft noch vor den Dienstmädchen, das Wort „Juden" auszusprechen. (Zustimmung und Heiterkeit.) Vergessen Sie nicht, dass wir mit einer solchen Bevölkerung zu thun haben. Wir haben gearbeitet im vergangenen Jahre und haben auch Resultate aufzuweisen. Unsere Zahl hat sich annähernd verdreifacht., mindestens gut verdoppelt. Wir haben neue Ortsgruppen und neue Vereine gegründet, und den Mitgliedern dieser Vereine einen neuen Geist eingepflanzt. Und nun hissen Sie mich schliessen mit einem Worte, das mir der Altmeister Dr. Bülf für den Congress mit auf den Weg gegeben hat: Wir wollen nicht ungeduldig werden mit den westeuropäischen Juden', wenn es nicht so schnell geht. Bäume wachsen nicht über Nacht. Bäume verdorren aber auch nicht über Nacht. Unser zionistischer Baum in Deutschland kann nicht über Nacht wachsen, und die verkehrten Ansichten der westeuropäischen Juden können nicht über Nacht absterben. Denken Sie an den Baum des Propheten Jona: der wuchs über Nacht, verdorrte aber auch über Nacht. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Del. Ahrahamsohn (Tyrnau) : Meine Herren! Wir haben gehört, was das A.-C. oder die Zicmisten im allgemeinen für Bussland, für Rumänien, für Deutschland, für Bulgarien und für noch andere Länder geleistet haben. Ich bin aus Ungarn hier und frage mich: Was hat der Zionismus oder das A.-C. für Ungarn geleistet? Sie wissen alle, dass Ungarn ein Land mit 800 000 Juden ist. Sie müssen nicht glauben, dass wir dort auf Bosen gebettet sind, obwohl wir Geduld hätten. Ein Volk wird allerdings nicht durch Geduld, sondern durch Ungeduld frei, wie Börne sagt. Aber man hat nichts für uns gethan. Es sind einige wenige zionistische Vereine entstanden. Wir haben auch eine Intelligenz, wir haben auch Studenten unter uns. Aber auch unter den Studenten haben wir keine Zionsvereine. Warum? Weil man zu wenig geleistet hat. Wir haben gehört, dass das A.-C. die bulgarischen Zionisten unterstützt hat. Bulgarien hat 30 000 Juden, darunter 0000 Männer, von denen 4000 Proletarier sind. Diese sind mit einer Zeitung unterstützt woiilen, um die Be-