Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German, English, Hebrew
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6 sein, Judenkinder vom Schulbesuche auszusehliessen, wie es an manchen Orten heute geschieht. Und es sei als ein Zug erwähnt, der den Juden Adelleicht nicht zur Unehre gereicht, dass sie die Beschränkung des öffentlichen Unterrichts als die grösste der jetzigen Grausamkeiten empfinden. Von anderen Bedrückungen wollen wir gar nicht sprechen, weil unser Congress nicht zu einer neuen Klageinauer werden soll. Nicht klagen, sondern schaffen müssen wir, müssen es umsomehr, als die bisherigen Vertreter der jüdischen Interessen sieh unfähig gezeigt haben, etwas zu leisten. Bettelgaben schenken heisst nicht helfen. Die Almosen sind nur das Band, welches die arbeitsscheuen Eeichen mit den arbeitsscheuen Armen verbindet. Diese beiden Kategorien stellen aber nicht das ganze jüdische Volk vor. In den letzten Jahren ist freilich noch eine Art von sogenannter Hilfe hinzugekommen; die Verschiffung der Entwurzelten von Europa nach der neuen Welt Mit anderen Worten: Die Entdeckung von Amerika. (Heiterkeit.) Leider kam diese Entdeckung etwas zu spät. Amerika will von armen Einwanderern nichts mehr wissen, ebensowenig wie England. Auch in Amerika gibt es bereits ein grosses jüdisches Elend. Auch in Amerika hat sich die Erkenntnis durchgerungen, dass die von uns vorgeschlagene Lösung die richtige ist. Beweis dafür die wachsende Anzahl der zionistischen Vereine, die sich in langer Kette vom Norden Nordamerikas bis nach dem Süden Südamerikas, von Canada bis Argentinien zieht. Nur in gewissen jüdischen Kreisen Westeuropas will man alles eher einsehen als die Wahrheit; das wir rechthaben. Von unseren Gegnern wird behauptet, es gebe unübersteigbare politische Hindernisse, aber dos lässt sieh auch vom kleinsten Hindernis sagen, wenn man keine Lust hat, es zu übersteigen. In diesen fünf Jahren konnten wir, da wir alle Zeichen ruhigen Blickes betrachteten, nicht bemerken, dass wir die Völker und ■ Regierungen gegen uns hatten. Im Gegentheil. Wenn da und dort freundlichere Töne für die Juden laut wurden, so ist es dem Zionismus zu verdanken. End auf der anderen Seite müssen auch Regierungen und Völker dem Zionismus dafür Dank wissen, dass er als Löser und Versöhner den Ausweg zeigt, den Ausweg, auf dem man mit der Judenfrage ohne Barbarei, ohne mittelalterliche Grausamkeit, vielmehr in hohem Frieden fertig wird. Zunächst aber müssen wir natürlich fragen, wie man in der Türkei, wie der souveräne Herrscher über uns denkt. (Hört!) Ich hatte im Mai dieses Jahres die Ehre, von Seiner Majestät dem Sultan Abdul Hamid in längerer Audienz empfangen zu werden. Die Güte und Herzlichkeit dieses Empfanges hat mich mit den besten Hoffnungen erfüllt. Ich gewann-aus den Worten und dem Verhalten Seiner Majestät die Ueberzeugimg, dass das jüdische Volk an dem regierenden Khalifen einen Freund und Gönner hat. Der Sultan hat mich ermächtigt, dies öffentlich mitzutheilen. ,(Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Mögen es denn die Juden der ganzen Welt erfahren, mögen sie auch verstehen, welche Aussichten