Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 261 (sequence 261)
- Language
- German, English, Hebrew
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uns als Juden und Menschen zu leben. Das ist das grosse Arbeitsprogramm unseres Trust und das werden wir verwirklichen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen. — Redner wird beglückwünscht.) Präs. Dr. Herzl : Wir werden jetzt die Sitzung auf eine halbe Stunde unterbrechen und bitte ich die Herren vom Aufsichtsrathe, sieh zu versammeln. (Die Sitzung wird um U Uhr unterbrochen und um 4 Uhr wieder aufgenommen.) Vors. Dr. Herzl: Die Sitzung ist wieder aufgenommen. Das Wort hat Herr T a u b e s. Del. Taubes: Geehrte Congressmitglieder! Ich glaube, dass ich mir den Vorwurf einer ungeheuren Redseligkeit nicht habe zuschulden kommen lassen. Im Gegentheile, ich, der ich sonst in unseren Parteiangelegenheiten jahraus jahrein vierzig- bis fünfzigmal in .öffentlichen Versammlungen spreche, habe nunmehr die Ehre, dem vierten Congresse beizuwohnen, und ergreife dennoch erst am letzten Tage und in der letzten Stunde das Wort, um zu der Frage der Bankangelegenheit einige Bemerkungen zu machen. Wie mein trüberes Schweigen, so kann ich auch mein gegenwärtiges Sprechen vollauf begründen, ich fassfl den •Congress ganz eigenartig auf. Es wird den Herren vielleicht ganz unverständlich vorkommen, allein ich fasse ihn auf als eine imposante Kundgebung, als eine öffentliche Willenserklärung des gesammten jüdischen Volkes vor aller Welt und ich musste es mit Missvergnügen ansehen, wie vier Tage hindurch unnützerweise gesprochen wird — einen ganzen Tag bloss über den Bericht des Actions-Comites — uml ich glaube, dass bei meiner individuellen Auffassung des Congresses mit weniger sprechen mehr gedient ist, als mit vi^l sprechen. Anders verhält es sich, meine Herren, bei diesen Gegenständen. Wenn wir aus dem Munde unserer Führer und sehr vieler liedner gehört haben, dass bis zum Augenblicke, wo uns das geehrte Actions-Comite über factische Resultate zu berichten in der Lage sein wird, unsere Bewegung als eine ideale, als eine geistige aufzufassen ist, so wissen wir doch zu gut. obschon wir an das Fortleben des Geistes für immerwährende Zeiten glauben, dass der Geist, die Seele ohne Körper nicht existieren kann, und der Körper unserer Bewegung, der zusammen mit dem Geiste leben soll, ist eben die Colonialbank. Nach dem bekannten Spruche aber, dass nur in einem gesunden Körper eine gesunde Seele leben kann, muss es unsere Aufgabe sein, diesen von uns geschaffenen Körper unserer Bewegung, die Colonialbank, gesund zu erhalten, lebensfähig, actionsfähig zu machen. Das ist nun leider bis jetzt nicht der Fall gewesen und wir haben aus den Ausführungen des Herrn Heferenten entnehmen müssen, dass das Minimum dessen, was man zur Actionsfähigkeit der Bank nöthig hat, nämlich 5250.000 Pfund, noch nicht ganz -eingezahlt sind. Wir finden aber, dass das Minimum bezüglich der Zeichnung erheblich überschritten wurde, dass viel mehr als oOO.OOO Shares gezeichnet wurden, so dass, wenn jeder den Betrag, den er gezeichnet hat, bereits eingezahlt hätte, der nöthige Betrag schon längst in den Gassen der Bank ruhen würde und die Colonialbank bereits actionsfähig wäre. Nun weiss ich nicht, ob es in die Competenz des Congresses fällt, und ich werde daher an anderer Stelle, nämlich bei der General-Versammlung der Colonialbank Gelegenheit" nehmen, mich über manches näher auszulassen, weshalb, wie ich glaube, diejenigen, welche mit solcher Bereitwilligkeit und Opferwilligkeit Shares gezeichnet haben, bisher ihre Zahlung noch nicht voll geleistet haben. Das Moment, welches angeführt wurde, bezüglich der Hungersnoth u. s. w. kann theil-