Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 241 (sequence 241)
- Language
- German, English, Hebrew
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- i>U - — Wenn wir agitieren wollen, müssen wir in erster Linie unsere Agitation nach unten hin verwenden. Wir müssen im Volke agitieren. Denn wir haben gesehen, dass unsere Agitation nach oben sehr wenig wirkt, trotzdem wir uns alle erdenkliche Mühe gegeben haben, und trotzdem wir uns Opfer an Ueberzougung auferlegt haben. Wir sind und bleiben eine Volkspartei, und als solche müssen wir uunmehr schauen, wie wii das Volk, weiches uns fern stobt, für uns bekommen könnten. Das Volk aber leidet, in erster Linie wirtschaftlich, und wenn wir dem Volke beweisen wollen, dass wir eine wirkliche Volkspartei sind, dann müssen wir ganz entschieden wirtschaftlich arbeiten. Freilich sind unsere Mittel gegenwärtig sehr beschränkt. Wir werden aber, wenn wir den guten Willen haben, auch die Mittel zur Arbeit auflinden. In erster Linie müssen wir uns auf den Standpunkt stellen, dass wir den kleinen Mann nicht mit Idealen füttern können. Er ist für ideale Arbeit nicht so leicht zugänglich, als dafür, wenn wir ihm beweisen : Sieh, das haben wir für deine wirtschaftliche Hebung und Besserung gethan. Jn dieser fortgeschrittenen Zeit ist es freilich sehr schwer, dieses ganze, grosse Programm, diese vielen Mittel, die vorgeschlagen werden, von denen gewiss jedes einzelne gut und zweckmässig ist. durchzuberathen. und es wird demgemäss, dessen bin ich überzeugt, und das werde ich selbstverständlich auch billigen, sehr nölhig sein, dass wir einen arbeitslustigen und arbeitsfreudigen Ausschuss einsetzen, welcher sich mit diesen Fragen j nicht sofort nach dem Congress, aber wohl baldigst zu beschäftigen j haben wird, und auch sofort das, was er beschliesst, zur Ausführung | bringen wird. Wir sind überzeugt, dass, wenn wir dann im nächsten j •Jahre oder später zusammenkommen, dieser Ausschuss über seine | segensreiche Thätigkeil für den Zionismus, dem Congress wird berichten j können. (Lebhafter Beifall.) Es ist selbstverständlich, dass diese Organi-! sationen sich wieder nur nach örtlichen Verhältnissen werden ein-! richten. Es ist nicht überall genug, wenn wir z. B. Consumvereine mit j jüdisch-nationaler Tendenz gründen wollten. In einer Gegend, wo das j Gros des Judenthums nicht von den Juden zu leben vermag, sondern j von seinen christlichen Mitbürgern, wäre es sehr gefehlt, wenn dort j jüdisch-nationale Consumvereine errichtet würden, denn das hiesse sich j separieren, das hiesse das thun, was uns stets zum Vorwurf, und vielleicht j mit Recht zum Vorwurf gemacht wird, dass wir überall solidarisch j vorgehen, dass wir überall wieder am liebsten beim Juden kaufen. Es ist leider nicht der Fall. Aber es würde der Agitation nach dieser. Richtung Raum schaffen, und könnte nur den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen der Juden in den Gegenden, wo sie nicht 'überwiegen, schaden. Vors. Dr. Gaster: Ich muss den Herrn Redner unterbrechen. Die Zeit ist um. Ich bedauere sehr. Del. Dr. Menczef: Geehrte Anwesende! Es sind zwar nur wenige Anwesende, aber immer doch einige. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass nichts so sehr falsch ist, als das ausgegebene Schlagwort von der Solidarität der Juden. Bei uns im Osten sind heute selbst die auf der niedrigsten Stufe der Cultur stehenden Völkerschaften zur Erkenntnis gekommen, dass nur eine wirtschaftliche Consolidierung, ein Gruppenbildung untereinander den Menschen ein wenig aufhelfen kann. Die Ruthenen, die Rumänen, die Huzulen, die Lippowaner Völkerschaften, die Sie vielleicht nur dem Kanten nach kennen, alle haben sie RaifYeisen-Cassen, Bei ufsgenossenschaften, Creditgenossenschaften, nur die Juden nicht. Und etwas Merkwürdiges ist dabei. Die Leute, die ich. eben erwähnt habe, emaneipiereren sich allmählich von gewissen einzelnen 10