Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 235)
- Language
- German, English, Hebrew
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— -23.-) — theil des Zwischenhamieicapitales aufzutreiben vermögen. Solche Zwischenhändler müssen daher an Wucherer sich wenden, bei denen, sie sich das Capital zu unerschwinglich hohen, den ganzen Geschäftsgang lahmlegenden Zinsen verschaffen müssen und sie gerathen theils auf diese Weise, theils durch Umstände, unter denen sie überhaupt Credit nicht beschaffen können, in eine Creditstockung, die zur unmittelbaren Folge hat, dass sie ihr Geschäft liquidieren und an den Bettelstab gerathen, oder dass sie zur Emigration greifen, um irgendwo anders in Westeuropa oder in Amerika eine Existenz zu suchen. Wir wollen dem vorbeugen, indem wir Credit-Institute solcher Art gründen, dass sie ausschliesslich Juden Credite ertheilen sollen für productive Zwecke, für die Unterstützung des Exportes der Landesproducte, für den Zwischenhandel und für die kleinen Kramereien. Dabei wird noch ein anderer sehr bedeutender Theil der wirtschaftlichen Frage gelöst und ein bedeutendes Stück Judennoth beseitigt werden. Bei uns, speciell in Galizien, führt ein grosser Theil, vielleicht ein Drittel der gesammten Bevölkerung eine so ärmliche Existenz, dass sie mit 40—50 Kronen 30 sh. vollauf den ganzen Erwerb sichern und dieses kleine Capital sind sie auch nicht in der Lage aufzubringen, erstens, weil sie es nicht besitzen, und weil weder die Wucherer, noch die Credit-Jnstitute Credit geben wollen, da letztere solche kleine Wechsel, die in Raten gezahlt werden, nicht weiter escomptieren können, und weil die Manipulation mit so kleinen Katenzahlungen so kostspielig ist, dass es sich für diese Credit-Institute nicht auszahlt, und doch ist diese Anlage die sicherste. Eine lange Erfahrung hat gelehrt, dass diese armen Leute auf das Pünktlichste ihren Verpflichtungen nachkommen. Wenn diese Creditgenossenschaften, unbekümmert um das fliessende Einkommen der Wechsel und unbekümmert um die grossen oder kleinen Manipulationsspesen, lediglich vom Standpunkte, dass diesen Aermsten der Armen eine Existenz geschaffen wird, diesen Theil ihrer Aufgabe erfüllen würden, so wäre dieser Gasse Menschen ohneweiteres auf festen Fuss geholfen. Aber dieser Umstand allein würde noch nicht genügen, den Namen ..jüdisch-national", den ich den Creditgenossenschaften beilege, zu rechtfertigen. Der Name „jüdisch-national** wird den zu gründenden Credit- Genossenschaften aus dem Grunde gebären, weil sie den zweiten Theil der Anforderungen, die wir an sie steilen, nämlich die Verstärkung unserer Organisation vollauf und im vollsten Sinne des Wortes erfüllen werde. . Es verlohnt sich deshalb, zum richtigen Verständnisse einen Ueberblick zu geben, woran unsere Organisationen bisher krankten auf welche Weise eine Besserung im Strammsein derselben zu erzielen ist. Unsere bisherigen Organisationen bestanden aus den Schekelgruppen und dem Vereine. Die Schekelgruppe ist so ein liebliches Gebilde, wie .»s nicht besser sein kann. Es hängt von einigen treuen Gesinnungsgenossea ab. auch weiter von dem Zufalle, wem der Betreffende begegnet, um den Scheckel einzuheben. Der Schekel hat in Oesterreich keine Grundlage. Keiner, der den Schekel gibt, denkt sich etwas Rechtes dabei, niemand ist von der Tragweite dieser Institution soweit überzeugt, dass er für die Einbürgerung derselben sprechen würde. Eine solche Schekelgruppe erfüllt aus dem Grunde weiter nicht ihre Aufgabe, weil derjenige, der den Schekel entrichtet, sich dabei nichts denkt, der gute Zionist weil er nichts thut, der Indifferente, weil er blos eine gewisse Courtoisie dem Sammler gegenüber beobachtet. Eine solche Institution kann im Momente des Bedarfs nicht als