Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 233)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 233 — Nun möchte ich zu den Vorschlagen selbst kommen und übergehe die ersten zwei, die sich beinahe von selbst verstehen. Ich will von den Creditverhältnissen sprechen. Was Credit bei einem jüdischen Handwerker oder Arbeiter ausmacht, wird Ihnen folgende Thatsachc illustrieren. Kremnitz ist eine Stadt, wo sehr viele jüdische Drechsler wohnen. Die Lage ist eine derartige, dass sie durchschnittlich 2—3 Rubel per Woche verdienen. Diejenigen nun, die über ein Capital von 50 Rubel verfügen, haben ein sorgenloses Leben, schlagen sich und ihre Familie durch, während die Anderen, die Wucherzinsen zahlen müssen, verhungern. Es ist also nichts selbstverständlicher, als dass Creditinstitute gegründet werden, welche diesen Leuten Anlehen geben, umsomehr als das Geld vollständig sicher ist. Nun bestehen auch wirklich für kleine Handwerker und Gewerbetreibende derartige Institute, eines in Wilna, das andere in Boboja, gegründet von den dortigen zionistischen Vereinen. Ich möchte hiebei bemerken, dass diese beiden Banken sogar von der russischen Reichsbank reichlich unterstützt werden, damit sie den jüdischen Handwerkern und Gewerbsleutcu zu Hilfe kommen. Ich kann nur den Appell an Sie richten: Gründen Sie solche Banken in jeder Stadt, an jedem Platze, denn Sie können keine bessere Arbeit verrichten. Wer sich dafür interessiert, wie solche Banken zu errichten sind, der wende sich an meinen Bruder, welcher gerne bereif ist, mit allen Details zu dienen und ich hoffe, <lass bald in "jeder jüdischen Stadt eine solche Bank existieren wird. Ich hotfe, dass auch unsere Colonialbank, wenn sie einmal so weit sein wird, diesen Banken zu Hilfe kommen wird. Es ist die beste und sicherste Capitalsanlage, welche Sie sich wünschen können. Nur noch ein Wort. Wenn wir unsere traurige Lage betrachten, wenn wir diese hungernden und verschmachtenden Gestalten ansehen, sollen wir verzweifeln? Nein, Das soll uns nur ein Sporn sein, mit neuer Thatkraft. mit frischem Muthe diesen Unglücklichen zu helfen. Glücklicher Weise haben wir seit 4 Jahren eine Organisation, wir haben eine Tribüne, wir haben den Zionismus, der helfend eingreift, wir haben Männer, die mit dem Volke in Berührung kommen. Die ersten Sonnenstrahlen sind bereits erschienen und haben sich einmal die ersten Sonnenstrahlen am Horizonte gezeigt, dann können Sie sicher sein, dass die Sonne immer höher und höher steigt und uns erwärmt. Und wenn es noch so kalt ist bei der ersten Morgendämmerung, wir brauchen nicht zu verzweifeln, die Sonne wird aufgehen und uns wärmen und um uns Helle verbreiten. Und Gottlob, die Morgenröthe hat sich schon gezeigt, wir haben den Zionismus und wenn wir den haben, dann können wir versichert sein, dass wir auch panem et patriam, dass wir Brod und Heimat bekommen werden. Ich