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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1900-01-01 · 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900 · p. Seite 173

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
Date
1900-01-01
Page
Seite 173 (sequence 173)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476262--1245-3477381
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- 173 — Wenn in den verschiedenen Ländern, und ich spreche nur von den Ländern, wo so etwas möglich ist, eine'Vereinigung existiert, dann muss die Organisation in der Weise durchgeführt werden, dass keine Vereine existieren können, wenn sie nicht Mitglieder der Federation sind. Deshalb schlagen wir Ihnen folgende Resolution vor: „Da nach § 2 des Organisations-Statutes gefordert wird, dass in jedem Lande ein Landes-Comite (Federation) existiere, weiche eine gewisse Controle über die ganze zionistische Bewegung in dem betreffenden Lande auszuüben habe, schlagen wir vor, dass das Actions- Comite sich nuv im WTege dieses Landes-Comites (Federation) mit den Vereinen in Verbindung setze, und keine Geld- oder Schekelzahlungen von Vereinen annehme, die nicht Mitglieder der Federation sind, das heisst, nicht unter dem Landes-Comite stehen." Del. Korngold: Verehrte Versammlung! Ich erscheine hier nicht, um ein Proj ect zu unterbreiten. Wir vertrauen uns voll und ganz Ihrer Führung an und fügen uns in Ihre Dispositionen. Ich komme aber auch nicht, um Kritik zu machen. Ich begreife es sehr gut, dass es leichter ist, zu kritisieren, als zu schaffen. Aber ich, als ein Jude des Ostens, als ein Jude des Ghettos, will Euch handgreiflich vor Augen führen, wie sich der Zionismus entfaltet und was er geschaffen hat. Ich habe hier einen Brief, der an einen Delegierten von seinem Sohne gerichtet ist. Ich betone, dass der Schreiber des Briefes vierzehn Jahre alt ist. Ich muss ferner hinzufügen, dass der Verfasser des Briefes materielle Leiden aus eigener Anschauung nicht kennt, dass er dem Ghetto fern lebt, ja noch mehr, dass er einer der wenigen Glücklichen ist, die in das Zahlenpercent hineingekommen sind, welche etwas von der Bildung gemessen dürfen. Ich unterlasse es, den Brief im Original vorzulesen, weil er russisch geschrieben ist, und will eine wörtliche Uebersetzung desselben geben. Wer sich für das russische Original interessiert, dem steht es zur Verfügung. Der Junge schreibt: „Schon der Umstand allein, dass ich nach London unter der Adresse des Zionisten-Congresses Dir schreibe, liefert mir eine wahrhafte Freude. Das Bewusstsein dessen, dass es auf dem grossen Erdball noch einen Winkel gibt, wo der unglückliche Jude sich als bei „sich" und nicht in der Fremde betrachten kann, dies allein erfüllt freudenvoll das Herz eines jeden Juden und umsomehr mich, da mir das Los zutheil wurde, an Einen der wenigen Glücklichen zu schreiben, denen es beschieden ist, unter ihren Füssen den Boden des Gebäudes zu spüren, in dem sich alle Hoffnungen und alle geistigen Kräfte der jüdischen Völker vereinten. Diese drei Tage, die auch Du im Congresse zubringen wirst, werden hoffentlich der ganzen Welt zeigen, wie gross und mächtig diese kleinen, nichtigen „Jüdchen" sind, die man durch 20 Jahrhunderte hindurch mit Schmutz bewirft. Vor Allem aber müssen und sollen wir selbst wissen, dass wir gross sind, dass wir nicht kindische, weltliche Narren sind, sondern ein Volk, dass in die Welt die Basis eines Priesterthums der Einheit Gottes gelegt hat. Das Volk, das sich von Mummenschanz befreit und andern Völkern den Weg zur Wahrheit gezeigt und als Dank diese Narrenkappe jener bekommen, von denen es sie befreit hat. Man ignoriert unsere Sprache, lacht über unsere Religion, Sitten und Gebräuche, man lächelt über unsere Gegenwart und Zukunft; nur unsere Vergangenheit wird noch anerkannt und selbst diese ist man Willens als „das Seinige" anzuerkennen. Aber das Traurigste ist dies, dass wir selbst über uns lachen, wir selbst uns schämen.

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