Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 171)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 171 - Deutung ist, dass wir diejenigen, denen die Wohlthat gilt, vom Tode erretten. (Lebhafter Beifall.) Also thun wir alles, was wir können, geben wir! Geben Sie, was j Sie haben! Die Damen werden von einem zum anderen gehen und sammeln. Geben Sie, ich bitte Sie darum. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen. — Die Damen leiten eine Sammlung ein.) Präs. Dr. Herzl: Ich möchte mir zu dieser Sammlung eine kurze Bemerkung erlauben. Der Betrag, den die Damen sammeln, wird einem Comite übergeben werden, welches aus Dr. Gaster, P i n e 1 e s, Elm ann und Dr. M o s k o w i t s c h besteht. Die Vertheilung wird durch dieses Comite und nicht durch den Congress erfolgen. Es ist gut, wenn man dies weiss in den Kreisen, welche unterstützungsbedürftig sind. Die Betreffenden wollen sich an Dr. Gaster wenden. Del. Aschkenasi: Hochgeehrte Congress-Delegierte! Nach der soeben erlebten traurigen Scene müssen wir natürlich die Klageworte des Propheten Jeremia wiederholen : Ach, wenn mein Kopf ein Gewässer wäre, meine Augen ein Thränenqueil, dann wäre ich imstande, die Unglücklichen meines Volkes Tag und Nacht beweinen zu können. Meine Hochverehrten! Mancher, der die Wünsche, die Mittel, die Kraft des Zionismus nicht begreift, fragt: Ihr Zionisten behauptet, dass ihr euer Ziel durch rechtliche Mittel erreichen werdet. Also zu was die Klage, das Weinen, wie wir die Rede des Dr. Nord au gehört haben über die Lage der Juden im Allgemeinen, wie die Rede des Doctor Marmorek über die Juden in Rumänien, wie die letzten Worte des Dr. Nordau? Ihr seid Männer und den Mann ziert die That. Ach, die Kurzsichtigen, die nicht begreifen, zu welchem Zwecke solche Reden gehalten werden, nicht um nach aussen zu wirken, nur nach innen. Unsere alten Wreisen haben es besser verstanden. Unsere alten Weisen sagten, wsnn die Majorität eines Volkes, und in noch höherem Grade, wenn ein ganzes Volk zum Bewusstsein seiner Leiden kommt, so ist schon alles geordnet. Wenn ein Volk zum Bewusstsein seiner Leiden kommt, wird es auch die Mittel suchen und finden, um seine Lage zu verbessern und sein Ziel zu erreichen. Meine Hochverehrten! Leider ist in unserem Volke das Bewusstsein seiner Leiden durch den 1800jährigen Golus verloren gegangen. Durch verschiedene sociale Ursachen, die jetzt nicht Zeit ist zu erörtern, hat sich seinerzeit eine Partei herausgebildet, die irrthümlich meint, dass eine besondere, noch nie dagewesene Hilfe sich finden müsste, und dass wir nicht selbst Hilfe anzulegen brauchen, um unsere Lage zu verbessern. Andererseits glauben sie, schon ein ewiger Sündenbock bleiben zu müssen, und dadurch sind sie abgestumpft und fühlen nicht mehr. Es hat sich wieder eine Partei gebildet, die durch das Pflaster der Assimilation ihre Wunden zudecken will. Dadurch ist eben das Bewusstsein unserer Leiden verloren gegangen. Es ist die Pflicht der Rabbiner und der religiösen Juden, zur Verbesserung der Lage des Volkes alles aufzuwenden. Gott sei Dank, unser Midrasch und unser Talmud haben eine Stelle aufzuweisen: Wenn Du etwas thust, hast Du Anspruch, Gott anzurufen. Nur im Zionismus liegt die Hilfe. Es ist deshalb gut und wichtig, sowohl der Masse der Juden, wie der Intelligenz die Leiden vor Augen zu führen, damit das ganze Volk seine materiellen, wie moralischen Leiden sehe. Nun werde ich einen praktischen Antrag stellen, wie diese Propaganda hervorzurufen ist. Die Praxis der letzten Jahre hat gelehrt, dass die besoldeten Redner ihr Ziel nicht erreichen. Und es ist selbstverständlich, dass dann die grosse Masse des Volkes sagt: Ja, er spricht