Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 141)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 141 — schlössen. Ich möchte empfehlen, für diese Institution noch mehr Materialien zu sammeln, und stelle mich für die Vorarbeiten gerne zur Verfügung. Wie nahe mir dieser Gegenstand liegt, möge Ihnen der Umstand beweisen, dass der verstorbene Professor Schapira mir seinen Entwurf eines Nationalfonds gewissermassen als sein politisches Vermächtnis in die Hand gelegt hat. Sie alle, die Sie wissen, mit welch jugendlich-feurigem Eifer Professor S c h a p i r a gerade für diese Sache eingetreten ist, werden begreifen, dass ich gerne bereit bin, alles daran zu setzen, diesen Vorschlag in die Wirklichkeit umzusetzen, soweit die Verhältnisse dies gestatten. Dieser Gegenstand muss auch vom juristischen Standpunkte aus geprüft werden, denn nach den in Preussen geltenden Gesetzen wäre es z. B. unmöglich, aus Preussen dem Fonde irgendwelche Zuwendung zukommen zu lassen, da jedes Legat für eine Stiftung wenn sie ausserhalb des Landes domiciliert ist, der behördlichen Genehmigung bedarf. Ich stelle es also anheim, die Prüfung dieser Frage einem Comite zu übergeben und dem nächsten Gongresse zur Beschlussfassung zu unterbreiten, nachdem alle einschlägigen Fragen hinlänglich geprüft sein werden. (Beifall.) Viel wichtiger und dringlicher, als die Schaffung eines Nationalfonds erscheint mir zur Zeit die Schaffung eines Nothstandsfonds, dessen Verwaltung einem Special-Comite anzuvertrauen wäre. Wir können nicht wissen, wie lange es noch dauern wird, bis wir das von uns erstrebte Ziel, wenn auch nur in der Form eines Schutzbriefes' oder eines staatsrechtlichen Vertrages mit der türkischen Regierung erreichen. Viele tausende unserer Brüder können aber, wie Dr. Nordau, Dr. Marmorek und andere Ihnen in beweglichen Worten geschildert haben, diesen Zeitpunkt nicht abwarten, ohne durch die grausame Noth der Gegenwart darüber zugrunde zu gehen. Wir sehen erst jetzt wieder, wie ein Theil unserer Brüder gezwungen ist, den Boden Rumäniens zu verlassen, weil sie infolge antisemitischer Regierungsmassnahmen das Leben dort nicht mehr ertragen können. Man nimmt dem Juden dort die Möglichkeit des Broterwerbes und verstoplt ihm die Quellen geistiger Nahrung. Sehnsüchtig wenden sich ihre Blicke nach einem gastlicheren Lande. Das Licht der Hoffnung, welches der Zionismus ihnen entzündet, kann ihnen in der Noth der Gegenwart nicht nützen. Aehnlich wie in Rumänien, liegen die Verhältnisse in anderen Ländern des Ostens und wir können als Juden unmöglich dieser Noth unser Mitgefühl und unsere Hilfe versagen. Wenn wir sehen, wie wenig andere jüdische Organisationen, trotz bedeutender Geldmittel, die ihnen zur Verfügung stehen, geeignet sind, in dieser Noth zu helfen, weil sie in Zeiten verhältnismässiger Ruhe sich nicht genügend auf solche Hilfeleistung vorbereitet haben, dürfen wir uns nicht auf die unmittelbare Er-