Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 137)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 137 — haftigkeit diesen Oedanken ergriffen und zu der bekannten Mission des jüdischen Volkes verdichteten, deren erste Voraussetzung seine Zerstreuung ist. Leider währte dieser Humanitätstraum nicht sehr lange Zeit, noch keine Oeneration. Während aber die anderen Völker bald erkannten, dass die Menschheit noch lange für diese Ideale nicht reif sei, während in ihnen die Erkenntnis reifte, dass es die Aufgabe der Gulturnationen sei, erst auf ihrer nationalen Grundlage die Völker der Erde für das grosse Menschheitsideal vorzubereiten, während alle anderen Völker deingenniss sich auf ihre nationale Existenz besannen, dessen sichere Unterlage für sie in der Interessengemeinschaft, auf gemeinschaftlichem historischein Boden beruhte; klammerten sich die führenden Geister des Judenlhums, ihre Intelligenz, ihr hohes Streben gewaltsam an den Traum einer kosmopolitischen Menschheitsverbrüderung. Dies ist menschlich zu erklären und ein Zeichen grosser Energie in dem Festhalten allgemein menschlicher Ideale, kann also dem jüdischen Volke nur zum Uuhme gereichen. Heute steht das jüdische Volk mit diesem Ideale wieder ganz allein und ist es eine Utopie aller Utopien, anzunehmen, dass es dem jüdischen Volke in der Zerstreuung, der es anheimgefallen, der Zersplitterung seiner Kraft, die durch die Zerstreuung bedingt, ist, möglich wäre, dieses Ideal im Dienste der Menschheit zu erreichen, Es ist unsere Pflicht, wenn wir die landläufigen Einwendungen gegen den Zionismus agitatorisch widerlegen, darüber nicht zu vergessen, dass wir zuerst durch eine gründliche und doch populäre Darlegung den Nachweis führen müssen, dass die Theorie der Assimilation ein Irrweg war, hervorgerufen durch, den Bausch einer kurzen Geschichtsepoche, dass die natürliche Entwicklung der Völker eines nationalen Genirmns bedarf, dass das jüdische Volk keine Ausnahme hierin bildet, daher der anormale Leidenszustand unseres Volkes, lediglich auf der Abnormität der realen Voraussetzungen seiner gegenwärtigen nationalen Existenz beruht. Haben wir dann so den Nachweis erbracht, dass die zionistische Bewegung keine romantische Schwärmerei, sondern eine durchaus moderne, auf dem sicheren Fundamente national-ökonomischer Grundsätze beruhende Volksbewegung darstellt, dann werden sich uns bald auch die führenden Geister der Judenheit des Westens anschliessen, die noch eine offene Hand und ein mitfühlendes Herz für ihre Brüder haben. (Lebhafter Beifall.) Wenn wir nun im Einzelnen auf die Frage der Organisation und Propaganda eingehen, so mag in erster Linie bemerkt werden, dass die Grundlage derselben, unser Programm, so kurz, klar und bündig ist, dass dasselbe einer Verbesserung kaum bedarf. Die Vorzüge unseres Programms zeigten sich in überzeugender Weise