Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 136)
- Language
- German, English, Hebrew
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Selbst wenn wir der jüdischen Bevölkerung des Westens einen sehr bedeutenden Mangel an jüdischem Empfinden zumessen, ist es dennoch auffallend, dass dieselbe sich unseren Bestrebungen gegenüber so feindselig verhalt, und lässt sich dieser Einstand aus Feindseligkeit und jüdischem Antisemitismus allein nicht erklären. Auch die Gründe, welche öffentlich gegen den Zionismus angeführt worden sind, sind nicht stichhältig, weil ein auch nur Wichtiges Nachdenken schon genügt, um die Fadenscheinigkeit derselben darzuthun. Wir brauchen diese ("iründe ja nur einmal anzusehen: 1. Einige sagen, das Land Palästina ist zu unfruchtbar und ohne wirtschaftliche Bedeutung; ein Anderer sagt: Die Mächte Europas werden Euch doch ein Land nicht gönnen, das für Handel und Verkehr von ganz Yorderasien von so hervorragender Bedeutung ist. 2. Einige sagen, der Zionismus verstösst gegen die jüdische Religion, den Anderen ist der Zionismus zu religiös. 3. Einige behaupten. Palästina ist für die Juden zu klein, Andere wieder sagen: Was wollt Ihr mit Palästina, die Juden gehen ja doch nicht hin. \. Einige sagen, wir müssen National-Deutsche. -Russen. -Franzosen. -Serben, -Bulgaren, -Slovaken. -Gzechen, -Polen, -Rumänen sein. Andere sagen, wir haben die internationale, kosmopolitische Mission, den Prügelj; v;eu aller dieser verschiedenen Völkerschaften der Erde in der Zerstreuung zu bilden. Einer dieser Gründe hebt den anderen auf, wir haben also, streng genommen, gar nicht nöthig, diese Gegner zu widerlegen. AVenn wir aber eine Erklärung finden wollen, welche mit der Achtung, die wir vor der Intelligenz und dem moralischen Werte der Juden des Westens haben müssen, vereinbar ist, so kann es nur die folgende sein, die auf der Verschiedenheit der Weltanschauung beruht. Während drei Generationen seit Mendelssohn wurde die Judenheit des Westens durch ihre bedeutendsten Geister auf den Weg der Assimilation als die höchste Aufgabe des jüdischen Volkes hingelenkt. Mit der französischen Revolution waren die Ideen der Humanität und Völkerverbrüderung über die Welt des europäischen Westens verbreitet worden und hatten ein lebhaftes Echo in den Herzen der Juden geweckt, deren Propheten dieselben Ideen in erhabener dichterischer Sprache gepredigt hatten. Was lag näher, als der Gedanke, dass die. Juden das von Gott prädestinierte Volk seien, durch seine Zerstreuung dazu berufen, diesen Gedanken unter den Völkern zu verbreiten? Dieser Gedanke war so erhaben schön, er erhob das jüdische Volk aus der tiefsten Erniedrigung auf ein so hohes Piedestal, dass es nicht zu verwundern ist, wenn edle, hochstrebende Geister mit Leb-