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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1900-01-01 · 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900 · p. Seite 123

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
Date
1900-01-01
Page
Seite 123 (sequence 123)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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scher Lebensweisheit aufgespeichert -ind, der aber für heranwachsende Knaben ganz unverdaulich, für ihr Gehirn sehr anstrengend ist. Das haben die Talmudisten sehr wohl eingesehen und daher im „Dirkeh-Aboth* für (las 10. bis 15. Lebensjahr bloss den Unterricht in der „Mischnah" empfohlen. Ich linde beiläufig, dass mit dem Studium des Talmud noch insoferuc Unfug getrieben wird, als den jungen Gehirnen nicht der Kern, sondern die Schale mit ihren Spitzfindigkeiten und nebensächlichem Beiwerke beigebracht wird; dass die jungen Leute durch den sogenannten ,.Pilpul schel Hewel" an ein scholastisch-casuistisehes, von falschen i rämissen ausgehendes Denken gewöhnt werden, wogegen die hervorragendsten Gnonim stets protestieren, und das sie in reiferen Jahren für ein induetives Forchen, für eine mit klaren Sinnen aufzufassende Wirklichkeit weniger tauglich macht. (Lebhafte Zustimmung.) Ist nun die Lehrzeit um, ist das 17., IS. Lebensjahr zu Lude, so tritt der Ghetto-Jude unfertig, unvorbereitet ins praktische Leben, heiratet so früh wie möglieh, und der harte Kampf ums tägliche Brot beginnt. Wenn er auch im besten Falle bis dahin ein Handwerk erlernt, so hat er es miserabel erlernt, bei seinem Vater oder einem anderen Handwerker, der es alsTfuschcr ebenso begonnen hat, wie sein Lehrling: und da er unter der Wucht einer drückenden Coneurrenz steht, indem seine Thäligkeit fast ausschliesslich auf das Ghetto angewiesen ist, so wird er zum bedauernswertesten Geschöpf aut Gottes weiter Erde, . und das langsam wirkende Gift der Noth und Entbehrungen setzt die früh begonnene Minierarbeit fort und untergräbt, allmählich die'Gesundheit dieser Elenden. (Bewegung.) Als Illustration könnte ich-zahlreiche Fälle aus meiner Praxis anführen, wo Schneider, Näherinnen, Schuster durch eine [leihe von Jahren allwöchentlich meine Augenklinik aufsuchen und sich daselbst ihre, durch ein chronisches Augenübel verkrümmten Wimpein, welche sie arbeitsunfähig machen, ausziehen lassen, anstatt, sich einer einzigen Lidoperation zu unterziehen, die sie für immer von diesem Uebel befreien könnte. Dies geschieht aus dem Grunde, bloss, weil diese Elenden, wenn ich sie auch unentgeltlich ins Krankenhaus aufnehmen wollte, keinen überflüssigen Heller besitzen, um während dieser 2—^wöchentlichen Behandlung Frau und Kind nicht verhungern zu lassen. Arbeiter-Krankencas?en gibt's im Ghetto nicht. Wie oben angedeutet, gibt es schon recht viele Juden, die Gymnasien und andere Schulen besuchen und nach und nach eine höhere Stufe der socialen Leiter erklimmen; aber zu bedenken ist dabei, dass deren Zahl im Verhältnis zur Masse eine recht geringe ist, und dass viele von ihnen diu eh den Gheder-Untcrricht bereits körperlich verkümmert sind. Die Folgen einer solchen, durch Jahrhunderte fortgesetzten,

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