Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1900-01-01 · 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900 · p. Seite 100

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
Date
1900-01-01
Page
Seite 100 (sequence 100)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476262--1172-3477308
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 100 — und für sich deutlich erklärt hat er befasse sich absolut nicht mit religiösen Angelegenheiten, und was unsere sonstigen Ueberzeugungen betrifft, bitten wir, uns ein für allemal nichts dreinzureden. (Beifall.) Wir haben unsere Ueberzeugungen und worden durch andere Zionisten, die erst neuerdings zu uns gekommen sind, uns nicht stören lassen. (Erneuter Beifall.) Uebrigens täuscht, sich Rabbiner L a n d a u. Die Judenmassenwissen sehr wohl, wem sie das richtige.Vertrauen zuzuwenden haben. Auch ich hatte längere Zeit Gelegenheit, in Kussland unter den jüdischen Massen zu arbeiten. Diese haben verstanden, dass, trotzdem an der Spitze der ganzen Bewegung Personen sich befinden, die wahrlich nicht auf religiösem Boden stehen, in Bezug auf das Streben nach Zion Uebereinstimmung herrscht. Jn dieser Richtung irren sich unsere westeuropäischen Juden. Es war ein grosser Irrthum, als Dr. Nordau im vorigen Jahre in Bezug auf die Agitation den Rabbinen entgegenwarf: Wo seid ihr? Warumsteht ihr uns fern? (Rufe: Das ist nicht richtig!) Nun, so ungefähr war der Sinn. Wir russischen Juden wissen. dass thatsächlich — von Achtung oder Nichtachtung will ich hier ganz absehen — die Rabbinen in Russland durchaus nicht diejenige Bedeutung haben, die ihnen seitens der westeuropäischen Juden zugemessen wird. (Widerspruch.) Ich will Sie darauf verweisen, dass die Schrift „Schiwas Zion", welche vor den zionistischen Congressen erschienen ist, obwohl von achtzig oder hundert Rabbinen unterschrieben, nicht imstande war, eine Bewegung hervorzurufen, wie sie das Wort „der Judenstaat44 hervorgerufen hat. (Beifall.) Täuschen wir uns nicht. Wir russischen Juden täuschen uns am wenigsten. Die Rabbinen in Russland haben nicht jene Bedeutung, die Sie ihnen zumessen und werden sie auch in Zukunft nicht haben. Wir wollen die betreffenden Elemente nicht verletzen; aber wir dürfen auch nicht fortwährend Zugeständnisse machen, die unsere Gefühle verletzen. Das werden uns auch die jüdischen Volksmassen nicht übel nehmen, dieselben werden verstehen, dass die Ehrlichkeit im Kampfe das erste ist. (Beifalls Was wir bezwecken, ist ein reiner, unbeüeekter Ueberzeugungsidealismus. und diesen Idealismus wollen wir nicht antasten lassen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich verstehe wohl, dass derjenige, der dies öfter gethan hat, sieh Opfer auferlegte und ich wundere mich, dass die Rabbinen es nicht verstanden haben, solche Opfer zu schätzen. Aber solche Opfer des Intellects, die uns erniedrigen, können und wollen wir nicht leisten. (Beifall.) Wir fragen die Rabbinen : Warum sind Sie nicht zum ersten Zionisten-Congresse gekommen? Jetzt wollen Sie uns den Weg vorschreiben. (Lebhafter Beifall.) Ich will keine Antwort darauf ertheilen, (Rufe: Sie wird gleich kommen). Warum sind die Massen nicht auf unserer Seite V ich bin auch der Ansicht, dass nur ein Theil der Massen auf unserer Seite ist. Ich bin weiters der Ansicht, dass als Gefühlsstimmung die Massen uns zustimmen, und dass der Zionismus nur eine Gefühlsstimmung enthält. Ich bin ferner der Ansicht, dass. wenn reale Erfolge vorhanden sein werden, die Massen uns vollständig zustimmen werden. Dann werden sie nicht fragen, was die Rabbinen sagen und darum möchte ich Sie bitten :. Lassen Sie unsere Legislative nicht in anderem Sinne ausarten» sondern nur in der Art, wie vor Jahren, als wir nur von einer rechtlich gesicherten Heimstätte sprachen, als wir «las Wort ertönen iiessen : Wir wollen eine Heimat haben, eine Heimat der Freiheit. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.