Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 87)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 87 - Als dieser von Rumänien aus über Cializien sieh hinüberwälzte, waren wir im Unklaren darüber, was wir anfangen und wie wir uns diesem Exodus gegenüberstellen sollten. Der humanitäre Standpunkt dictierte uns, möglichst tbatkräfug einzugreifen; vom zionistischen Standpunkte aus konnten wir aber einen solchen Exodus, der planlos vor sich gieng, der nicht einmal im zionistischen Sinne einer rechtlieh gesicherten Heimstätte zustrebte, nicht begünstigen. Wir hätten gerne die Ansicht der Centrale darüber gehört. Zufällig ist es dem Takte unserer Vertrauensmänner, wie ich zur Ehre derselben hervorheben will. gelungen, den richtigen Mittelweg zu linden und die Humanität mit dem zionistischen Gedanken in die richtige Verbindung zu bringen, um auf diese Weise bis auf wenige Ausnahmen den Exodus vollkommen befriedigt über Cializien zu leiten. Oer zweite Fehler, den ich offenbar erwähnen wollte, ist der. dass wir auch im Punkte der Organisation nach der Richtung stiefmütterlich behandelt wurden, dass zu uns nach Cializien kein zionistischer Redner gesandt wurde. Ich habe auf alle mögliche Weise, schriftlich und telegraphisch gebeten, dass doch einmal ein Jiedner aus Wien zu uns kommen möge, mit der Begründung, dass wir bei allei' möglichen Anstrengung der Agitation nicht soviel leisten können, wie ein fremder Agitator, da wir schliesslich uns auch oratoriseh abgenützt haben. Dies half aber nichts. Ich bekam die Antwort, dass die Centrale über kein Pednermateriai verfüge. Dies erscheint mir aber, werte Congressinitglieder, als eine blosse Alisrede. Ich sah nämlich, dass in andere liegenden mit viel kleinerer Judenanzahl, als Cializien. sehr viele .Redner entsendet wurden. Es besteht zwar in Bezug auf Cializien ein eigenthümliches Vorurtheil, dass sich schon an den Namen des polnischen Juden knüpft. Aber dem entgegen kann ich sagen : Wir sind in Armuth und Elend an eine darbende Lebensweise gewöhnt, so dass wir nicht einmal den Schrei der Angst mehr verstehen; aber das Rüstzeug der Tugend führen wir stets mit uns. Wir sind ein grosser Theil des jüdischen Volkes, welcher entsprechend organisiert, auch Bedeutendes leisten könnte. Dieses unser jüdisches Volk ist in Elend und Armut oft nicht fähig, seinen Sinn höher zu heben, dem zionistischen Gedanken zu folgen. Es ist ein taktischer Fehler seitens des Actions-Comit'-s, dass es diesen meinen Aufforderungen bisher nicht Rechnung getragen hat. Unser jüdischs Volk in Cializien arbeitet auch stillschweigend sehr viel für den Zionismus. Die galizischen Juden sind geborene Zionisten, die für die Literatur sehr viel leisten. Es sind Leute, die bloss der Anregung bedürfen, um das zu werden, was wir von echten und wahreu Zionisten verlangen. In drittel* Linie — und es handelt sich hier nicht um einen Fehler, den ich vorbringen will — möchte ich einen Appell für die Zukunft au das Actions-Comite richten, auch etwas für die wirtschaftliche Kräftigung dieses armen Volkes zu thun. Es ist dies, wie ein Project, das ich bei nächster Gelegenheit entwickeln werde, darthun wird, hehr leicht durchführbar. Ich wollte diesen Appell aber jetzt vorbringen, damit, wenn der Congiess mein Project annimmt, auch das Comite ihm die gebührende Würdigung zutheil werden lässt. (Lebhafcer Beifall und Händeklatschen.) Vicepr. Dr. Mandelstamm: Die folgenden eingetragenen Redner -G o i t e i n und Dr. W i i e n s k y v & reichten auf das Wort. Del. Mme. Dr. Steinberg spricht russisch. Dr. Conan-Bernstein (übersetzend). Frau Dr. Stein berg möchte zum Berichte des Actions-Comites folgende Bemerkungen machen. Sic motiviert ihre Worte mit dem Eindrucke, den sie von zwei Versammlungen der russischen Delegierten erhalten hat! Sie meint, das« die russischen Delegierten, die hier an-