Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 37)
- Language
- German, English, Hebrew
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Zionismus in den Abgrund dieses Elends eindringen, umsomehr sind sie erschüttert von den gewaltigen (iegensätzen. welche sich im Charakter unseres Volkes enthüllten : einerseits Standhaftigkeit, treues Volksbewmsstsein, wahre Bruderliebe, andererseits aber feige ♦Schlaffheit, die nur zur Kraftleistung sich emporschwang, wenn os sich darum handelte, die Unglücklichen von sich abzuhalten, um sie in ihren trostlosen Jammer zurückzustosscn: schamlose Hoheit gegen »Schwache und Bedrückte, ja Verrath am eigenen Fleische, Erscheinungen, die ein Brandmal auf jüdische Stirnen gedrückt. (lMui-Rufe.) Wie kommt es, meine Damen und Herren, dass in Rumänien die alle Judenplage plötzlich zu dieser Höhe augewachsen ist und zu den Ereignissen unserer Tage geführt hat? Wie kommt - es, dass ein in dumpfer Armut hinsiechendes Volk von wahnwitzigem Entsetzen, von panischem Schrecken ergriffen, alles verläset, das Land seiner Geburt, die (.'Jräber seiner Ahnen, die Stätte seiner Jugenderinnerungen, die liebgewordenen Gewohnheiten, um einer Ungewissen Zukunft, einem vielleicht nicht geringeren wirtschaftlichen Elend entgegenzugehen, gehetzt, verjagt, zerstreutV Wenn diese rumänischen Juden, welche seit jeher moralisch, körperlich und wirtschaftlich so sehr in ihrem Vaterlande zu leiden halten, plötzlich in solchem Masse zum Wanderslabe greifen, so muss etwas Ausserordentliches sich ereignet haben, das nicht bloss einige wenige, sondern tausende und abertausende, nicht bloss Arme und Bettler, sondern, auch Wohlhabende, nicht bloss die kleinen Handwerker sondern «auch den Hoehschüler und Arzt zu diesem Schritte getrieben hat. Ja, wenn solches geschieht, so muss die Existenz in diesem Lande zur unerträglichen Qual geworden sein. Rumänien besass vor kurzem 270.000 Juden. Von diesen haben nach der geringsten Angabe mindestens IS.OOO, .nach anderen Angaben sogar IjO.OOO in diesem Jahre das Land verlassen. Ungefähr 1000 Juden sind in Rumänien naturalisiert. Alle anderen aber leben unter einer (Gesetzgebung, die in ihrer Art einzig in der Welt ist, denn sie erklärt diesen grossen Theil der Einwohner des Landes kurzweg als Fremde, behandelt sie aber in Bezug auf das Tragen der Lasten als vollgiltige Einheimische und hasst sie als Feinde. Sie verwehrt ihnen die meisten Berufe und klagt über die Abneigung der Juden gegen Arbeit, wirft ihnen Mangel an Vaterlandsliebe vor, zwingt sie aber, Soldaten zu sein, begründet die Handlungsweise den Juden gegenüber mit deren Unwissenheit, versperrt ihnen aber die Schulen. Rumänien ist aus einem Vasallenstaate eine unabhängige Macht geworden, rühmt sich, ein Rechtsstaat zu sein, nennt sich stolz „Hüter heiliger Freiheitsprincipien im Osten Europas'*, aber noch immer ist sein Vorgehen gegen die Juden von der Ueberzeugung geleitet, die im rumänischen Code des Jahres lH'Aü der