Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 27)
- Language
- German, English, Hebrew
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— -27 — noch immer eine Art versteckter Ungleichheit, aber für den englischen Juden ist sie nicht vorhanden. Fuv ihn gibt es nur unumschränkte bürgerliche, gesellschaftliche und staatsrechtliche Freiheit. Vorurtheil gegen den Juden ist praktisch nicht vorhanden. In Kreisen, in welchen es sich hier und da noch nachweisen liesse, ist es meistens das Erlöschen einer vormals lodernden Flamme religiöser Erbitterung, welche jedoch in England seit über zwei Jahrhunderten in keiner Form heftig gebrannt. Ich möchte in der That behaupten, dass hierzulande keine Gesetzvorlage auch nur die Wahrscheinlichkeit eines Erfolges in sich trüge, welche darauf berechnet wäre, der Stellung der Juden Englands absichtlich oder unabsichtlich Eintrag zu thun. Eine sogenannte „Alien Emigration Bill" bedrohte uns z. B. vor einiger Zeit. Auf der einen Seite gaben sich die Förderer dieser Vorlage die äusserste Mühe, der Welt klar zu machen, dass dieselbe nicht gegen jüdische Einwanderung gerichtet sei, während auf der anderen Seite die Thatsache, dass wir zeigten, dass die Vorlage die Stellung der Juden indirect gefährden möchte, zweifelsohne viel dazu beigetragen, dass man die Agitation nach und nach einschlafen Hess. Es dürfte vielleicht von Interesse sein — obgleich nicht meines Berufes — an dieser Stelle zu bemerken, dass wir diese unsere Stellung in England hauptsächlich zwei Ursachen zu verdanken haben, einer ökonomischen und einer religiösen. Englands Adoption des Principes des Freihandels erweiterte dadurch den Bereich seiner Begriffe betreffs alles Ausländischen, und obgleich es seine insularische Lage nicht ausser Acht liess, zollte es dem Ausländer und seinen Leistungen volle Achtung. Diejenigen, welche den Juden als ausländisch betrachteten. Hessen ihn denselben Vortheil als anderen Ausländern gcniessen. Aber der religiöse Einfluss war ein weit stärkerer. In keinem europäischen Lande ist die Bibel heutzutage mit dem Leben einer Nation so innig verflochten, als dies mit einem grossen Theile des englischen Volkes der Fall ist. Diejenigen, welche die Grundlage zur britischen Literatur gelegt, diejenigen, welchen wir die Bibel zu verdanken haben, und welche sie inmitten der grössten Verfolgungen in Zeitaltern von moralischer Finsterheit mit ihrem Blute vertheidigt und aufbewahrt, dürften wohl kaum von denen verfolgt werden, welche die Bibel als ein köstliches und heiliges Erbe schätzen. Mag dies jedoch dahin gestellt sein; aber welch geringe Feindseligkeit gegen die Juden in England sich immerhin gezeigt haben mag, sie kam aus den Reihen derer, welche den Freihandel abgeschafft wissen möchten und derer, welche sich notorisch ausserhalb irgendwelchen religiösen Einflusses belinden. Aber demungeachtet kann nicht gesagt werden, dass wir so ganz frei von Angriff gegen eine gewisse Ciasse Juden in