Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German, English, Hebrew
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— — tiefbekümmert sehen, dass die Logik der Verhältnisse unabwendbar zu einer raschen Verschlimmerung dieser Noth, ja zu plötzlichen, gewaltsamen Katastrophen fuhren muss, und weil das angestrengteste, schmerzlichste Nachdenken uns immer wieder nur einen Ausweg aus der Bedrängnis erkennen iiess : die Erwerbung einer öftentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für die verfolgten jüdischen Millionen. (Stürmischer, sich stets erneuernder Beifall und Händeklatschen,) Wie ganz anders wäre die Lage heule, wenn wir unseren rumänischen Brüdern sagen könnten: .Kommt! liier ist das Land, das euch erwartet wie eine Mutter ihre heimkehrenden Söhne.* (Erneuerter stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Kein verzweifeltes Umherirren, kein aussichtsloses, angstvolles Suchen, sondern ein freudiges Losschreiten dem sicheren Ziele entgegen 1 Und wie ganz anders wäre die Lage heute, wenn die wandernden rumänischen Juden überall eine feste jüdische Volksorganisation vorfänden, die sie daheim zum Aufbruche rüsten, unterwegs berathen und führen, im neuen Lande empfangen und unterweisen würde1 Weshalb haben wir dieses Land nicht, weshalb haben wir diese Organisation nicht? Durch wessen Schuld? Durch eure, einzig und allein durch eure! Hättet ihr die Millionen, die ihr jetzt ausgebt — icli kann nicht anders sagen: hinauswerft — seit drei Jahren nach unserem Käthe verwendet, ihr hättet heute das Land, das bereit wäre, die wandernden Juden aufzunehmen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Und hättet ihr mit eurer alten, kräliigen, aber unzusammenhängenden, aber verknöcherten (iemeinde-Organisation die von uns unter den entsetzlichsten Schwierigkeiten geschaffenen Anfänge einer allgemeinen Organisation des jüdischen Volkes verstärkt, so wäre das jüdische Volk heute ein lebendiger Organismus, der jedes einzelne seiner gefährdeten (ilieder aus eigener Kraft wirksam vertheidigen könnte. (Lebhafter Beifall.) Ihr aber habt es vorgezogen, mit euren .Millionen die Bestrebungen zur Verleumdung, wenn möglich zur Erwürgung des Zionismus zu begünstigen und unser eigenemühseliges Organisationswerk zu vereiteln. Darum trifft euch die rumänische Katastrophe heute unvorbereitet, darum bietet ihr jetzt das erbärmliche Schauspiel kindisch gewordener Greise, di« angesichts einer Feuersbrunst oder Ueberschwemmung gelähmt und üennend in die auf sie eindringenden Schrecknisse starren. Allen Juden aber, die noch ein jüdisches Herz haben, sich jedoch gegen den Zionismus haben aufhetzen lassen und ihm aus Missverständnis oder aus anderen Beweggründen, die ich hier nicht erörtern will, den Rücken wenden, allen Juden rufe ich zu: „Besinnt euch! Beherzigt die Lehre der rumänischen Katastrophe! Wir sagen euch mit blutendem Herzen: das ist nur ein Anfang! Es wird schlimmer kommen! Viel schlimmer! Was werdet ihr