Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 163)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 163 — ist die Cultur, das Bewusstsein, dass es irgendwo ein Gentrum des Lichtes gibt, welches uns den geraden Pfad im Leben weist. Natürlich gibt es auch eine Aftercultur. Es gibt eben auch, wie es alle diejenigen wissen, welche an den Küsten der Meere wohnen, falsche Lichter, die aufgestellt werden von Feindeshand, um die Schiffe von der richtigen Fahrt abzulenken und vielleicht zerschellen zu lassen an den Felsen der Unwissenheit, des Fanatismus und der Intoleranz. Das ist keine Gultur, Gegen diese sträuben wir uns. Was wir anstreben, ist, den Pfad zum richtigen Hafen, zu jenem Leuchtthurme zu erreichen. (Lebhafter Beifall.) Aber hüten müssen wir uns, dass auf die Flagge, die da im Winde flattert, im Winde der jüdischen Begeisterung, dass auf die Flagge des Zionismus das goldene Kalb gezeichnet werde. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Hüten wir uns, dass die Luftlöcher mit einer goldenen Thür zugestopft werden. Es ergeht uns sonst wie dem Capitän in alter Zeit, der auf sturmbewegter See war und das Getöse der Personen unten nicht ertragen konnte; er rief den Matrosen zu: Decken sie doch die Oeffnung zu, damit ich dieses Geräusch nicht höre! Und allmählich ist das Geräusch stiller und stiller geworden, und er ist in den Hafen eingelaufen: aber im Schiffe waren die Passagiere erstickt. So darf es uns nicht gehen. Wir müssen in geistiger Frische und mit neuem Leben in uns in das Heilige Land kommen, wir müssen lernen, uns von den Schlacken zu befreien, die die Jahrhunderte unserem Geiste angeklebt haben. (Stürmischer Beifall.) Und wie herrlich klingt doch diese poetische Gonception unseres Volkes, diese wunderbare mystische Auffassung, dass mit der Verbannung auch die Herrlichkeit Gottes in die Verbannung gieng und sein Volk begleitete. Es ist von seiner Höhe herabgestürzt worden und ist jetzt verdunkelt. Wir wollen den Bann brechen und wir wollen diese Herrlichkeit in ihrem alten Glänze erscheinen lassen. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Wir wollen der Welt zeigen, dass es doch noch eine ganz andere Weltanschauung gibt als die, an welcher die Menschheit jetzt in Europa krankt. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Die innere Läuterung, das Aufrechterhalten des Ideals, der Wunsch, der Drang, dass jeder Zionist in seiner Weise, in seinem Viertel, nach seinem Gesichtspunkte, in seinem Lande diesem Ziele zustrebe, das ist alles, was wir hier von dieser Tribüne unseren Zionisten und unserem Volke zurufen können. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wir sagen unserem Volke: Der Traum beginnt sich zu verwirklichen; es hängt von Euch ab, in welcher Gestalt Ihr daran theilnehmen sollt. Meine Herren! Nicht weit von hier, in Italien, existieren Friedhöfe, wohin die Erde von Palästina in Schiffen gebracht 11*