Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 60)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 60 — Wir in Deutschland haben den schwersten Stand vielleicht von allen Ländern. Uns stehen nicht die Massen zugebote, die, durch die Noth gedrängt, zu uns laufen. Wir haben es mit einer intelligenten Masse von Juden zu thun, vielleicht der intelligentesten der ganzen Erde. (Heiterkeit.) Ich meine in der Gesammtheit. Aber das Actions-Comite hat es vollständig ausseracht gelassen, Deutschland zu gewinnen. Es müsste dies meiner Ansicht nach das erste Ziel des Actions-Comites sein. Wenn wir die deutschen Juden gewonnen haben, haben wir Westeuropa gewonnen, und dass die einflussreichsten Juden in Westeuropa wohnen, unterliegt wohl keinem Zweifel. In dieser Hinsicht ist von dem Actions-Comite aber rein gar nichts geschehen und wir hoffen, dass im nächsten Jahre dasselbe Veranlassung nehmen wird, sein Augenmerk mehr auf diesen wichtigen Theil der Action zu legen, um in Deutschland zu propagieren. Die ganze Last der deutschen Propaganda lag, ähnlich wie in England, auf wenigen Schultern, und es wäre Sache des Comites, die Last den wenigen Herren etwas zu erleichtern. Ich möchte noch einen anderen Punkt besprechen. Am zweiten Congresse wurde erwähnt, dass bezüglich der Wahl des nächsten Congressortes eine Aenderung vorgenommen werden soll. Wir Juden aus Deutschland schliessen uns voll und ganz dem Dank an, den unser verehrter Präsident der Stadt Basel ausgedrückt hat, in der wir heuer wieder ein Heim gefunden haben. Ich persönlich bin jedoch der Meinung, dass der Congress eines der wichtigsten Agitationsmittel sei und bin dafür, dass das Actions-Comite erwägen soll, ob es nicht besser wäre, im nächsten Jahre den Congress in einer anderen Stadt abzuhalten, (Bravo! Bravo!) Dies sind die wenigen Wünsche, die ich persönlich vorbringen wollte, und ich hoffe, dass sie auch Berücksichtigung finden werden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Del. Rabbiner Löbel: „Mache Dich auf, werde licht, denn es kommt Dein Licht, und die Herrlichkeit Gottes geht auf, über Dich. Erhebe ringsum Deine Augen und siehe: Sie alle versammeln sich und kommen zu Dir; Deine Söhne kommen von weit her und Deine Töchter werden auf dem Schosse gepflegt." Diese Prophezeiung hat der Prophet auf „Zion" prophezeit, und wir wollen hoffen, dass diese Prophezeiung in unseren Zeiten sich verwirklichen wird, da wir Gott sei Dank in unseren Zeiten schon den dritten zionistischen Congress in Basel erlebt haben, wo das ganze Judenthum von Osten, Westen, Norden, Süden durch Delegierte vertreten ist. Denn das Mass unserer Leiden ist schon übervoll und es ist ja naturgemäss, dass man in Zeiten der Noth und Bedrängnis, wenn Gefahr und Verderben droht, auf Abhilfe, auf Erlösung und Befreiung sinnt. In dieser traurigen Lage befindet sich jetzt Israel, da es ihm nicht vergönnt ist, die Luft der Freiheit zu athmen und da ihm das entsetzliche Unglück droht, vernichtet zu werden. Es sind schon mehr als achtzehn Jahrhunderte in den Abgrund der Ewigkeit dahin geflossen, seitdem Israel im Exil verbannt ist, und gleich dem Brausen der stürmenden Wogen des Meeres, bestürmt Israel auch noch heute der grimmigste Hass von allen Seiten. "ma s6i *]wrt üto /irr-op ömd n*n nrun ^sv „Ich bin der Mann, der gesehen hat Elend unter der Ruthe seines Grimmes." Er hat mich in das Land Rumänien geleitet und geführt, wo der Hass gegen das Judenthum uns unaufhörlich verfolgt.