Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 35)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 35 — sie uns persönlich angiengen. Aber wir dürfen nicht schweigen in dem Augenblicke, wo wir fürchten müssen, dass sie unserer theueren Volkssache Schaden bringen könnten. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Denn, indem sie von Personen ausgiengen, welche sich den Ehrennamen von Zionisten beilegen und ihre Angriffe mit korybantischem Lärm begleiten, um den Schein zu erwecken, als seien sie die Wortführer grosser Gruppen im Zionismus, unterstützen sie am wirksamsten das Streben der Gegner des Zionismus und rufen den Eindruck hervor, als ob auch die zionistische Partei trotz ihrer Jugend bereits in den Fehler verfallen sei, an welchem das Judenthum seit Jahrtausenden krankt, der Uneinigkeit. (Beifall und Händeklatschen.) Wir sind der Hoffnung, dass das nicht der Fall sei. Wir glauben sicher zu sein, dass dieses herostratische Treiben nicht die Zustimmung des Judenthums findet, sondern von allen verurtheilt wird, welchen die Volkssache und das grosse Ziel höher steht, als persönliche Eitelkeit und Streit. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) So legen wir denn das uns von dem II. Gongress übertragene Mandat in Ihre Hände zurück, in dem Bewusstsein, nach bestem Wissen und Gewissen bestrebt gewesen zu sein, die übernommene Pflicht zu erfüllen, die uns selbst Herzenssache ist. (Lebhafter Beifall.) Inwieweit uns dies gelungen ist, möge die höchste Instanz, der Congress selbst, entscheiden. (Lebhafter, langdauernder Beifall und Händeklatschen.) Vors. Dr. Gaster: Ich ertheile das Wort zur Erstattung des Cassaberichtes Herrn Dr. Kokesch, und ersuche um feierliche Ruhe zu seiner Unterstützung, da er infolge der Vorarbeiten zum Congresse ziemlich angestrengt ist und nicht laut sprechen kann. Berichterstatter Dr. Kokesch (stürmisch acclamiert): Die treibende Kraft der zionistischen Bewegung ist nicht das Geld. Mag dies auch in vielfacher Beziehung mit Recht der nervus rerum genannt werden; zur Entstehung und Entwicklung unserer Bewegung waren ganz andere Factoren massgebend: die moralische und physische Noth unseres Volkes, das sehnsüchtige Verlangen, derselben zu entrinnen, das Fehlschlagen und das Fehlen anderer Mittel zur Beseitigung derselben, die durch unsere Religion und Tradition erhaltene Liebe zu unserem uralten Heimatlande, die Begeisterung unseres Volkes und die aufopferungsvolle Arbeit Einzelner. (Lebhafter Beifall.) Das sind die treibenden Kräfte unserer Bewegung, welche für gar kein Geld in der Welt angeschafft werden könnten. Aber die beste Maschine, die von unversiegbaren Kräften getrieben wird, kann des Oeles nicht entbehren, und dieses Oel ist für uns das Geld. 3*