Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 178)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 178 — Wir haben sämmtliche Wahlen bestätigt mit Ausnahme von zweien. Es sind das die Wahlen des Herrn L. Spira in Krakau und des Herrn Son in Buenos Ayres. Die Wahl des ersteren zu cassieren, haben wir Ihnen deshalb vorschlagen zu müssen geglaubt, weil wir constatiert haben, dass derselbe gegen die Aufforderung des Wahlbureaus die Einladung nicht allen Schekelzahlern hat zugehen lassen und weil er beim Wahlact, in welchem er in eine Stichwahl mit Herrn Dr. Thon gekommen war, drei Stimmzettel unrechtmässig in die Wahlurne gesteckt hat, welche auf seinen eigenen Namen lauteten. Da sich das Wahlergebnis 15:1* stellte, ergibt sich nach der Cassierung dieser 3 Stimmen nicht mehr die nöthige Mehrheit, infolgedessen wäre die Wahl zu cassieren und wir schlagen Ihnen das vor. Was die Wahl des Herrn Son betrifft, so war allerdings für dieselbe ein Wahlprotokoll vorhanden. Es sind aber weder Schekelgelder von Herrn Son abgeliefert worden — dieselben sind angeblich unterwegs verloren gegangen — noch sind die Blocks eingegangen, auf welchen vermerkt sein muss, wer eigentlich die Schekelzahler waren, die sich unter dem Wahlprotokoll befinden. Da wir also die Identität der wirklichen Schekelzahler mit denen, welche sich am Wahlprotokolle befinden, nicht feststellen können, haben wir geglaubt, Ihnen die Cassierung auch dieser Wahl empfehlen zu sollen. Wir bitten daher, die Wahl dieser beiden nicht zu bestätigen. Präs. Dr. Herzl: Sind zunächst die Herren Spira und Son zugegen? (Nach einer Pause): Ich glaube Herr Spira ist überhaupt nicht nach Basel gekommen. Herr Son ist aber hier, und ich glaube, er sollte gehört werden. Del. Schach: Ich bedaure sehr, Sie bitten zn müssen, den Antrag des Herrn Präsidenten abzulehnen. Wir wollen das Princip durchgesetzt wissen, dass wir legale Vertreter des jüdischen Volkes sind, und nicht jeder herkommen kann und sagen kann : Ich bin legaler Vertreter. Wir werden sonst dem Spotte ausgesetzt sein. Was Ihnen die beiden Herren vorbringen werden, kann nur eine grosse Debatte herbeiführen, in die Dinge hineingezerrt würden, die hier besser nicht erörtert werden mögen. Erklären Sie die Wahlen für ungiltig, damit ist die Sache ein für allemal abgethan. Präs. Dr. Herzl : Gegen die Ungiltigkeitserklärung spricht aber eben die Gerechtigkeit, dass man nicht einen seines Mandates verlustig erklären darf, ohne ihn vorher gehört zu haben. Del. Schach: Wir haben von unserem Generalsecretär Reich gehört, diese Wähler haben nie ein Schekelbuch, nie Blocks besessen. Wir haben gesagt, nur ein Schekelzahler ist wahlberechtigt und Schekelzahler ist nur der, der ein Sckekelbuch ausgestellt hat. Da die Leute kein Schekelbuch hatten, sind sie keine Zionisten, keine Wähler. Die Sache ist so klar, wie nur irgendetwas. (Zustimmung,) Del. Dr. Mintz: Nach § 3 der von uns angenommenen Geschäftsordnung findet über die Frage der Agnoscierung oder Annullierung der Wahlen keinerlei Debatte statt. (Zustimmung.) Präs. Dr. Herzl: Also der Fall Spira ist gar nicht in Discussion zu stellen, den Fall Son werden wir nach Massgabe der Tagesordnung am Schlüsse erörtern. Im übrigen ist es, glaube ich, sehr erfreulich, dass unter so vielen Wahlen so wenige mit Recht angefochten werden. Was die Einlaufe betrifft, so sind heute 85 Telegramme und 87 Briefe «angelangt. Von Nichtjuden " ist zu erwähnen: Baron Maximilian Manteuffel. (Beifall.) Ferner eine kleine Uebersieht. über die Kundgebungen im einzelnen. (Siehe dieselbe im Anhange.)