Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 140)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 140 - Leitsätzen die Ideen vortragen, welche uns bei der Gründung der Colonialbank geleitet haben. Ich werde nicht viel Worte machen, denn es handelt sich um eine streng geschäftliche Angelegenheit, die allerdings weit grössere Ideen im Hintergrunde hat, die von Herrn Wolffsohn bereits in genügender Weise beleuchtet worden sind. Diese leitenden Ideen sind in dem Schriftchen, welches Ihnen gleich vertheilt werden wird, als Prospect bezeichnet; ich bitte aber diese kleine Schrift nicht als einen Geschäftsprospect zu betrachten, sondern als eine kleine Denkschrift zur Aufklärung der breiten Volksmassen unter den Zionisten, zur Aufklärung über dasjenige, was wir bei der Gründung der Bank intendieren. Als eines der Mittel zur Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina und Syrien soll eine Bank mit einem noch näher auszuarbeitenden Statut begründet werden. Diese Bank soll nicht etwa, wie es den Anschein haben könnte, eine philanthropische Gründung sein, vielmehr ein rein commercielles Unternehmen auf solidester, streng geschäftlicher Grundlage. Dem zionistischen Ziele dient die Bank durch die Concentrierung und wirtschaftliche Vereinigung jüdischen Gapitals und jüdischer Arbeitskräfte in einem bestimmten Lande, nämlich durch die Hinlenkung ihrer Thätigkeit auf den in Aussicht genommenen Golonisationsbereich von Syrien und Palästina als Mittelpunkt. Innerhalb dieser durch den Zweck der Bank gezogenen Grenzen ist dieselbe in ihrer Geschäftsthätigkeit und Verwaltung vollständig frei und ungehindert. Obwohl sie demnach einem idealen Zwecke dient, ist dieselbe in ihrer Verwaltung lediglich vom geschäftlichen Gesichtspunkte zu leiten, wie z. B, die Landbank in Berlin zur Ausdehnung deutsch-nationalen Einflusses in den polnischen Provinzen Preussens beiträgt, indem sie grosse Güter dem polnischen Adel abkauft und behufs Schaffung deutscher Bauernhöfe parcelliert. Die Bank soll ein Unternehmen sein nach Art der deutschen Golonial-Gesellschaften, welche zur Ausdehnung des deutschen Golonialbesitzes thätig sind, indem sie in überseeischen Ländern und Welttheilen Concessionen, Privilegien, Besitztitel und Hoheitsrechte erwerben, Plantagen anlegen und Eisenbahnen bauen. Dass die Thätigkeit der Bank innerhalb der gezogenen Grenzen eine rentable sein kann, ergibt sich nur aus der Thatsache, dass deutsche, englische und französische Unternehmungen innerhalb desselben Tätigkeitsbereiches mit Erfolg arbeiten, wobei nur auf die von der deutschen Bank geförderten Eisenbahnen in Anatolien hingewiesen werden mag, sondern folgt auch aus dem natürlichen Reichthum der Länder, in denen die Bank zu wirken bestimmt ist. Da in dieser Hinsicht vielerlei Irrthümer bestehen, so mögen zur Aufklärung hier einige Gitate zuverlässiger Beobachter platzgreifen.