Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 90)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 90 - nationale Bewusstsein noch intensiv vorhanden — uns mit viel elementareren Dingen beschäftigen, mit der Creirung von Musterelementar schulen, Mustercheders, an denen es uns fast ganz fehlt, und mit der Beschaffung guter Lehrer, die überhaupt zu unterrichten imstande wären, da bis nun unsere Schullehrer zumeist in der hebräischen Sprache, in Grammatik und Literatur sehr schlecht gesattelt sind. Wir müssten überall, wo Zionistengruppen vorhanden — und deren gibts schon eine stattliche Zahl — für gute, frische Luft in den Cheders und Talmud-Thoras, und dafür sorgen, dass die kränkliche, in Elend und Armut verkommene Jugend durch Gymnastik jeglicher Art gestählt und widerstandsfähig gemacht werde. Die jungen Gehirne dürfen nicht, wie es bis jetzt geschieht, durch gar zu viel geistige Kost, die ihrem Alter durchaus nicht entspricht, überbürdet werden; es muss vielmehr in viel grösserem Masse für die Uebung des Leibes gesorgt werden: mens sana in corpore sano! Nach dieser Richtung hin sollten uns die Engländer als leuchtendes Vorbild dienen. Denn wenn diese sich zur ersten Colonialmacht der Welt emporgeschwungen haben, so haben sie es nicht zum geringsten Theil ihrem persönlichen Muth, dem echten Mannesmuth zu verdanken, den sie sich von Kindesbeinen anr durch körperliche Uebungen jeglicher Art, durch harmonische Entfaltung ihrer Muskelkraft, anerziehen. Auch unsere Jugend müsste sich auf ähnliche Weise zu dem grossen Werk, das ihr bevorsteht, heranbilden. Ferner müssten bei uns im Osten diejenigen Aerzte, die Zionisten sind, so oft und so viel wie möglich populäre Vorträge über Hygiene, über Sauberkeit und Reinlichkeit in Haus und Hof halten; denn zu meiner Betrübnis muss ich eingestehen, dass die breiten Volksschichten des Osten, durch Armuth und Entbehrungen jeglicher Art dazu bereits gekommen sind, die elementarsten Vorschriften der mosaischen Eeinlichkeitslehre zu vernachlässigen und dadurch Krankheiten dutzendweis zu züchten. Ferner wollen wir durch Wort und Schrift, durch Einberufung von Versammlungen, auch diejenigen Juden, die nicht Zionisten sind, zur Errichtung von Fachschulen, wo es eben geht, anfeuern und, um dem Elend der Massen schon jetzt nach Kräften zu steuern, alles aufbieten, um die jüdische Bank, die wir jetzt projectieren, auch zu realisieren und Filialen in denjenigen Ländern zu eröffnen, wo es Noth thut, zur Beschaffung eines billigen Credites für Gewerbetreibende und landwirtschaftliche Unternehmungen jeglicher Art. Nun bin ich auch mit dem zweiten Theil meiner Beweisführung fertig und glaube gezeigt zu haben, dass die Behandlungsweise, die wir vorschlagen, um das kranke jüdische Volk zu retten, auf rationellerer Basis beruhe, als Assimilationsversuche und