Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 17 — fügen. Die Juden der meisten Länder bewahren Euch Dankbarkeit und Liebe. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Und selbst die deutschen Juden, die nicht vergessen können, class Ihr ihrem Vaterlande, dem sie hingebende Söhne und treue Bürger sind, feindlich gesinnt seid, selbst die deutschen Juden übersehen nicht, dass Ihr in ruhmreichen Zeitabschnitten Eurer Geschichte Leuchten der Menschheit, Führer ihres Fortschrittes wart, und sie gönnen Euch von Herzen Gedeihen und Wohlergehen, solange Ihr mit ihrem Vaterlande Frieden haltet!" (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wenn man die Franzosen, die an das Märchen vom jüdischen Syndicate glauben, fragt, wie sie sich das eigentlich vorstellen, weshalb die Juden denn ein Syndieat bilden sollten, um Dreyfus zu vertheidigen, so antworten sie: „Man weiss doch, welches Zusammengehörigkeitsgefühl alle Juden miteinander verknüpft. Sie lassen auf keinen der Ihrigen das Geringste kommen." Sagen wir auch über dieses berühmte Zusammengehörigkeitsgefühl einige Worte. Wo hat man es jemals erlebt, dass die Juden in ihrer Gesammtheit oder auch nur in grosser Zahl für einen jüdischen Verbrecher eingetreten wären? Niemand beurtheilt jüdische Sünden härter als der Jude. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Keine Herde stösst räudige Schafe unerbittlicher aus als die jüdische. Wir beschönigen niemals dieMissethat eines der Unseligen; wir empören uns nur gegen die Methode unserer treulosen Feinde, die jeden einzelnen Fehler eines Juden sofort zum Fehler eines jeden einzelnen Juden verallgemeinern. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Auch im Falle Dreyfus ist es anfangs keinem Juden in der weiten Welt in den Sinn gekommen, für den des niederträchtigsten Verbrechens beschuldigten Mann Partei zu.nehmen, weil er Jude ist. Die Judenheit begann erst aufzuhorchen, als sie beobachtete, dass der Fall eine ganz andere Physiognomie zeigte als jede andere der leider nicht allzu seltenen Strafsachen wegen Landesverrates. Die Presse, die zuerst allein Einzelheiten über den Fall veröffentlichen konnte, Avar die antisemitische. Sie zog lange, ehe ein Urtheil vorlag, aus dem Falle weitgehende Folgerungen. Sie sagte: „Es geschieht Frankreich Recht, wenn es von einem jüdischen Officier verrathen wird. Man weiss ja, dass der Jude von Natur ein Verräther ist. „An uns war es also, ihn nicht zu den Officierstellen zuzulassen, in denen er seinemVerrätherhäng mit verheerender Wirkung folgen kann." Die Antisemiten zeigten also von vorneherein die feste Absicht, den Fall zu einer Angriffswaffe gegen das Gesammtjudenthum zu machen und mit dieser Waffe zunächst die französischen Juden aus den Officierstellen zu vertreiben. Das hätte den Bedrohten eigentlich ihre Mannespflicht vorschreiben sollen. Da das Judenthum in seiner Gesammtheit angegriffen wurde, hätte es sich in seiner Gesammtheit wahren müssen. Da den franzö-