Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 27 (11.11.1897)
- Date
- 1897-11-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Redactioil 11. Administration Wien, 3. Novaragasse 37. A. k. österr. ^ostsxarcaffe Lheck-Lonto Nr. 835,2-40. Inserate - ' wird«» billigst berechnet. ——.. ■ ,־; Mamlfcripte werde», »ichl si' ' retoninirt: ' 0v81vs1׳ejokj8ek-ungL1׳i8ok8 66LtkLl-0rgLL für dir Interessen der Cantoren und Liütnsbrsmten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercaiuor Jacob Bauer. j Pränlmrerations-PreiS.; NirCankore»» u.QIiiltuttbeiiinte 1 in VeIlvreeikh-l>I1r,,,,r1r Änn.Niihrig ..... fl. 5.— Hnlbjäbrig . . . . . fl. 2.50 int-Ifttitttaiil». ' Giniziiiykig .... .10 Dhtf oder 5 Nndel. Für private ttnd flnstttnte Äniizjiibrig . ... fl. 6.— i Bbpuntm«nt»- n. Snsertko»«7 betrage sind in Wien lalilbavl Nr. 27. Wien, 11. November 1897. 17. I-,lzrga»g. 50 Jahre nach der Taufe: (Eine währe und zeitgemäße Geschichte) - v . von L. R,i es e n f e l d, Oberlehrer in Ung. Brod. . , Im!vorigen: .Jahre feierte,er ׳— wir wollen ihn Josef Licht nennen —; unter großem Gepränge, umgeben von Kindern und Enkeln - in einer. Kirche , Tirols das Fest der goldenen Hochzeit. Es, war, in,den Vierziger Jahren, als Josef, der Sohn ^jüdischer Eltern, sein Herz an Mariedie Tochter eines christlichen Beamten, verlor. Amor .rang mit Moses und trug über ihu den Sieg, davon. Wegen den, Willen seiner Eltern nahm Josef die Taufe und genoss an der Seite seiner reizenden Gattin ein angenehmes. Familienleben. Sein gutes, jüdisches Herz fesselte ihn an seine VVexwandten, er blieb nach wie vor ein braves Kind, ein treuer Bruder, ,der Leid und Freud mit den Seinen theilte. Er besuchte, am Todestage seines Vaters dessen Grab, zündete .in seinem Hause das.Seelenlicht au und,versäumte es nie, mit Frau und ׳Kindern am Szedertische der alten Mutter theilzunehmen. Durch seine geschäftliche Verbindungen kam er überhaupt Me außer Contact mit Juden, ein Freundschaftsbaud knüpfte ihn insbesondere an Franz Apfel, der gleich ihm, umarmt von weichen Händen, Amor über Moses hatte triumphiren lassen. Das Wort Jude wurde im Hause sorgfältig vermieden, musste dasselbe, doch gebraucht werde so wurde' dafür ^Indier" gesetzt. Der Kirche trachtete Fosefsoweitals möglich äuszuweichen, und. waren,öffentliche,' religiöse Acte unvermeidlich,' so schwitzte er. Blutstropfen und spielte verlegen eine klägliche Rollet Gelegentlich '.einer HndstaW die im' Hause vorgenommen wurde, knieten: alle Anwesenden andächtig nieder,' Josef und' Franz blieben: stehen, wussten aber nicht,' was mit dem Körper zu machen sei, um mit Anstand den freidenkenden Juden in' den katholischen Christen zu hüllen. 1 , : i; י־.׳?• .׳. r י• י ז . : ׳^Jm großen-. Ganzen lebte ein getaufter Jude in den 150-er bis 7.0-er .-Jahren so ziemlich, unbehelligt. - Die christliche WesellschaH behielt den-.Couvertiten zwar stets im Auge^ begegnete . ihm: jedoch.mit Achtuilg, falls.er rechtlich' und. anständig.war. Die jüdische Gesellschaft hat mit Convertitenoft-, traurige .. Ersahrungen. gemacht.. Biele glichen dem berüchtigten Max;ן AÄ0lt-iAgw^ bes^imMen Hre'ehemaligen" Glaubensgenossen, jn der Hoffnung, dadurch in der Kirche als ebenbürtig zu gelten. Solchen Renegaten wurde die vollste Verachtung zutheil und sie wurden in der jüdischen Gesellschaft gänzlich ignoriert. Getaufte Juden hingegen, die in jüdischen Kreisen nicht gerne an ihr Christenthum erinnert werden wollten, wurden schonungsvoll behandelt; man hatte die Ueberzeugung, dass der Austritt aus dem Judenthum für dieselben ein schmerzhaftes Opfer gewesen war, dass sie nicht die Kraft hatten, bei der Fahne, unter welche die Geburt sie eingereiht, auszuharren, und dass sie sehr gerne zurück ins alte Vaterhaus gegangen wären, wenn dies nur mit Anstand sich vollziehen ließe. Ueberdies wurden sie als Bindeglieder angesehen, die die jüdische Welt mit der christlichen Gesellschaft verknirpfen, die in christlichen Kreisen Zeugnis ablegen können von der Reinheit des jüdischen Denkens und Fühlens, die also viele Vorurtheile, die gegen Juden im Schwange sind, zu zerstören vermögen. War ein getaufter Jude edelsinnig, hochherzig, ein, Mann der Kunst und Wissenschaft, wurde er mit Stolz als dem Judenthum entsprossen genannt und man suchte nach Gründen, um dessenUebertritt zu entschuldigen. Allerdings versteht der echtgläubige Jude keinen Spass in solchen Dingen, und getauft heißt bei ihm: für immer geschieden. Bei der großem Masse des Volkes aber wurde der Mantel der jüdischen Liehe schonungsvoll über so manchen Convertiten gebreitet, falls derselbe nur ein jüdisches Herz bewahrte und keine hässlichen Charaktereigenschaften zeigte. . So verlebte unser Josef 30 Jahre nach der Taufe inmitten jüdischer Cirkel. Er hatte^wohl den jüdischen Glauben, aber:nicht den jüdischen Aberglauben abgelegt. So durfte in seiner Gegenwart nie von Tod und Sterben geredet werden, ״heimgegangen" durfte im Nothfalle, aber beileibe nicht zu oft, gebraucht werden. Da kam die Zeit des Antisemitismus.. ״Im Blut liegt es" — ״die Raffe ist schuld" — ״kein Taufwaffer vermag hier zu helfen" — ״bis in's -4. Geschlecht gibt es kein Assimilieren." Unser Josef war ein, Altliberaler, ein Fortschrittsmann mit aristokratischen Allüren, der Fiakerkutscher per Du anredete, sich elegant. kleidete und überhaupt eine hohe Meinung von sich hatte. Die neuen -antisemitischen Ideen schlugen wie ein Domrexwetter in: seine Gedankenwelt und verletzten ihn auf's tiefste. Das'״Deutsche -Volksblatt", bas ungetanste Juden mit