Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 24 (15.10.1897)
- Date
- 1897-10-15
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 24. Vesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitmib. Seile 7. Rieseneichen, die kühn den Stürmen Trotz boten. Und ich berauschte mich an dem Dufte dieser balsamischen Wälder, dieser blumenreichen Auen, wo in jungfräulicher Frische blaue Koniblümlein und unschuldsvolle Veilchen blühten und dev Frühling seine Pracht entfaltete. Ein jeder Nerv in mir fühlte die Liebkosung der heimatlichen Luft. Ich empfand die belebende Kraft der Sonnenstrahlen, und obgleich draußen der Frost um so schrecklicher wüthete und mich hinter den Scheiben gleichsam Zähnefletschend angrinste, kreiste das Blut doch lebhafter in meinen Adern, entzündete mir den Kopf, und ich saß da, geistesabwesend, verzaubert, wie lauschend, ohne zu sehen oder zu hören, was um mich her vorgieng. Ich merkte nicht, wie sich die Thür aufthat und Jemand in's Zimmer trat, ich merkte die Dampfwolke nicht, die bei jedem Oeffneu der Thür in solcher Menge hereindrang, dass sie den Eintretenden verhüllte; ich fühlte nicht die Kälte, die mit unverschämter Zudringlichkeit hier in die menschliche Behausung brach; ich merkte nichts. Erst als ich ganz nahe bei mir ein menschliches Wesen empfand, warf ich ihm unwillkürlich die erste jakutische Frage zu: ״Was begehrst Du?" ״Ich bin's, Herr, ich handle mit Geflügel." Ich erhob die Augen. Keinen Moment zweifelte ich mehr, dass ich einen kleinstädtischen Inden in seiner typischen Gestalt vor mir hatte, trotz der seltenen Kleidung aus Hirschfeilen, mit denen er überladen war. Wer einen solchen Inden einmal bei uns gesehen hat, der erkennt ihn wieder, nicht nur in den jakutischen, sondern auch in den patagonischen Bergen. Auch ich erkannte ihn sofort, und da ich meine Frage nur mit halbem Bewusstsein, mechanisch hingeworfen hatte, so wurde ich durch ihn in meinen Träumen nicht brutal unterbrochen und er bildetete keinen zu sehr verletzenden Contrast zu denselben. Im Gegentheil. ich betrachtete mit einem gewissen Wohlgefallen die mir bekannte Gestalt: das Anstauchen eines Juden in dem Augenblicke, da ich mit Herz und Gedanken in der Heimath weilte, kam mir als etwas Natürliches vor. und die wenigen polnischen Worte schmeichelten meinem Ohr. Ich blickte ihn daher lute traumverloren freundlich an. Der Jude stand noch eine Weile, dann wandte er sich um, trat zur Thüre und begann eilig seine verschiedenen Kleidungsstücke abzulegen. Erst dann besann ich mich, dass ich ihm noch nicht geantwortet hatte, und befürchtete, dass mein Landsmann nunmehr in fälschlicher Deutung meines Stillschweigens seine Waaren vor mir auskcamen würde. Ich beeilte mich, ihn von diesem Jrrthum zu befreien. ״Aber um Gotteswillen, Mensch, was machst Du da?" rief ich schnell. ״Ich kaufe nichts, ich brauche uichts, mach' Dir keine unnütze Mühe und geh' in Gottes Namen Deiner Wege!" Der Jude hörte mit dem Entkleiden auf, besann sich eins Weile, dann trat er aus mich zu, und indem er seine ״Docha" (Winterpelz) hinter sich herschleppte, begann er mit gebrochener Stimme schnell und wirr zu reden: ״Das macht nichts, dass Sie, nichts kaufen! Sehen Sie, ich bin hier schon lange, sehr lange.... Bisher habe ich nicht gewusst, dass Sie gekommen sind. Sie sind doch aus Warschau? Erst gestern erfuhr ich, dass Sie schon mehr als vier Monate hier sind. Wie schade, dass ich das so spät erfahren habe, ich wäre schon längst zu Ihnen gekommen. Heute suchte ich Sie gegen eine Stunde: ich gienge bis an's Ende der Stadt und draußen ist ein Frost, dass ihn der Teufel hole!.... Erlauben Sie. ich will Sie nicht stören, lmr einige Wörtchen ...." ״Was willst Du von mir?" ״Ich möchte blos ein wenig mit Ihnen plaudern." Diese Antwort verwunderte mich gar nicht. Ich war nicht wenigen Leuten begegnet, welche kamen, um mit einem soeben aus: der Heimat Kommenden ein wenig zu plaudern: darunter waren auch Juden. Sie interessierten sich für verschiedene Dinge: es waren unter ihnen einfach Neugierige und Schwätzer, Andere fragten mich nach ihren Verwandten: es gab auch Politiker darunter. Daher setzte mich das Ansinnen des neuen Ankömmlings nicht iN'Erstauuen, und so bat ich meinen Besucher doch, abzulegen und Platz zu nehmen. (Schluß folgt.) Litterstnr. Die ״Neue Mustk-Zeikuns" (Stuttgart, Carl Grüuinger), ein Blatt, das als unentbehrliches Vademecum, als sicherer Führer durch das weite Reich der Tonkunst jedem Musikintcreffenteu warm empfohlen sein mag, bringt im letzen Quartal eine Fülle interessanten Stoffes aus allen einschlägigen Gebieten, znincist in Form von geistvollen Aufsätzen erster Federn, ferner Biographien von Componisten, Virtuosen, Sängern nnd Sängerillnen mit deren treuen Porträts, Erzählungen und Humoresken, kritischeBesprechnngen über neue Darbietungen im Opernhause, im Conccrtsaale, auf dem Bücher- und Musikalienmarkte, in jeder Nummer auserlesene Texte für Liedercomponisten, Notizen aus dem Musikleben der Gegenwart, heitere Anectodcn, endlich 24 Seiten Musikbeilagen, bestehend ans werthvollen Clavierstücken, stimmungsvollen Liedern, Duos und Trios für Violine, Cello urd Clavier. (Preis vierteljährlich I Mk) Die Verlags- Handlung sendet Probenummern auf Verlangen gratis und franco. Der Geist derheiligen Schrift. Drei synagogale Festreden, gehalten am Passah-, jüd. Neujahrsfeste und am Vorabende des Versöhunngsfestes von Dr. H. E. Kaufmann, Bezirksrabbincr in Virovitica (Slavonicn). Wien 1807. 28 S. Dem Titel, unter dem der gelehrte, redegewandte Verfasser diese drei Predigten, deren dritte er mit Recht als Homilie bezeichnet, der Oeffentlichkeit vorlegt, entspricht ihr Inhalt vollkommen, da in ihnen das kräftige und auch gelungene Bestreben sich kuudgibt, den Geist der hi. Schrift dem Laienpublicum unserer Tage, das seine Bildung und Aufklärung in der weitgehendsten Gleichgiltigkeit gegen jedes religiöse Empfinden sucht, verstündlich zit machen und als ebenso zweckmäßig wie zeitgemäß hinzustellen. Der Verfasser "hat die Aufgaben, die ihm bei Anlage der Predigten vorgeschwebt zu haben scheinen, kunstgerecht gelöst. Kurz sei hier nur bemerkt, dass die erste, übrigens sehr geistreiche Predigt bei vorangehender entsprechender Einleitung und erst darauffolgender Bergleichüng der drei verschiedenen Offenbarungen bei Moses, Josuah und Eliah. welche Reihenfolge der Verfasser wahrscheinlich wegen der den Ausgangspunct bildenden Haftarah nicht innehalten konnte, und schließlicher Schlußfolgerung vielleicht noch mehr Eindruck hätte erzielen können, als sie zweifellos auch so erzielt hat Es darf dem Verfasser, der bereits auf mehrere vorzügliche litterarische Leistungen zurückzublicken in der Lage ist, mit Recht Dank und Auerkennnng für seine Veröffentlichung gezollt werden. Ist doch die Drucklegung von Predigten, für den Verfasser wenigstens, ohnehin fast immer eine Art finanzielles Marturium. Hohenems. Tischri 5658. Rabb. Dr. Tänzer Änion-Kalender für das Jahr 5658 -1897/98. Der unter diesem Namen bekannte ...Kalender für Israeliten", herausgegeben vom Vereine .׳Oesterr: isracl. Union" in Wien, zeichnet sich anch Heuer durch seinen reichen Inhalt und die treffliche Redaction aus. Gemeinden, Gemeindeangestellten und Privaten bietet dieser Kalender einen ausgezeichneten Führer durch die israet. Cultusgemeinden der österr.-ungar Monarchie und gibt über alle jüdischen Institutionen in unserem Baterlande die nöthigen Aufschlüsse. Die Ausstattung ist eine ebenso elegante als zweckmäßige.. Preis 50 kr Fingernnd Bandferlrgkeft von Dr. A. Kupferschmid, Verlag Max Richter, Berlin. — Der Verfasser gibt in dem genannten Buche eine theoretisch-practische Anleitung zur Ausbildung einer vollkommenen Fingernnd Handfertigkeit (Cheiropüdie) für Angehörige aller Stände, die eine kräftige, zu künstlerischen und gewerblichen manuellen Thätigkeiten ausgebildete Hand benöthigen. UM" Wir ersuchen unsere geehrten Herren Abonnenten, ihre Pflicht dem Blatte gegenüber umgehend zu erfüllen und die der vorigen Nummer beigesügten Post Cheks und Post- Anweisungen bei den Einzahlnngen benützen zn wollen. Hoffentlich werden wir weiterhin der unliebsamen Mahnungen enthoben sein. Die A d mini st r atio ». £ ääCS 2)ü§ &3KS)(*/X1S3/2v£ G/ZkS € € Vertretung und Niederlage der grössten Wiener Fabriken für I Claviere, Pianmos, Harmoniums 8► null DM?" Mignonfliigel *^1 des Obercantor K. H. Grünwald in Göding (Slähren). Durch directe Verbindung mit den Fabrikanten, nnd nicht mit einem Zwischenhändler,, so wie durch bedeutend geringere Regie als in der Grosstadt ist es mir möglich, jedes Instrument um mindestens 50—(50 II» 8. W» billiger zu lassen als jede Firma. Da ich. nur wirklich gute Ware führe und auch bei Ratenzahlung die günstigsten Conditionen bieten werde, erhoffe ich recht ־zahlreiche Aufträge. Cantoren erhalten bei Vermittlung von Geschäften Rabatt