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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-10-15 · Heft 24 (15.10.1897) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 24 (15.10.1897)
Date
1897-10-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Redaction u. Administratiotr j Wien, 2. ÖJülnu'rtgrtfjc 21. \ K. k. österr. poftlpavcaffc Lheck-Lonto Xlx. 885/240. Inferate werden bi lüpft berechnet. ManitseripN׳ tuorbeti 1,i!1!k vctouvuivt. -Etz Gentral-Organ für die Interrjfen der Cantoren und Lnttrrsbramtrn. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obcrcanror Jacob Bauer. I Peäinnntrülions-Preis.! j :+füvCL'a11tovm it.CTitltm'he.imte ij! i!t e>rNerrei>1,-1! 11 »tnrrr j| | Kniizjälirig.kl. '! i »itlbjälivirt.ft. 50.<־ jj SüvQiantovi'ji n.Qinltm»ln־atnte; I im Vnvlant»! Itr,ll;i-ih> ip.!0 'IH U'f! iibcr :י :){übel. | Itüv Private mit» Nnftitnte! v55au.ii'>'.n־ift . ... ft. »>.—! I Abvmirmeiit»- 1». nnVertiono-;1 | hetriiiu* linb it» Wien jaljtbav. ij Nr. 24. Wien, 15. Ortober 1897. 17. Jahrgang. f Wien, 15. Ortober. :Ans gelehrtem rmd geistreichem Munde haben lutr vor nicht t.llzlllMger Zeit den Ausspruch vernommen, dass das jüdische Volk durch die fortdauernde Pflege der heiligen Lehre und das unentwegte Festhalten an uralter Ueberliefernng und den Sitten und Gebrauchen der Väter alle Gefahren und Stürme überdauert hat und so als einziges Beispiel in der Geschichte dasteht, wie ein Volk, trotzdem es seine Selbständigkeit verloren, trotzden! es nach allen Windrichtungen zerstreut und überall gepeinigt, bedrückt und geknechtet wurde, seine Existenz erhalten, ans sich selbst immer wieder neues Leben und neue Kraft geschöpft und den Zusammenhang seiner weitzerstreutcu Glieder nicht verloren hat. Einen Theil dieser Vorbedingungen bildet auch die allgemeine und gleichmäßige Feier der hohen Festtage im gesummten Jndenthnme. Mag auch eine große Zahl der Glaubensgenossen das ganze Jahr hindurch sich abseits von der Gemeinschaft halten und jedem religiösen und eultnellem Leben fremd bleiben, sobald die Jomim nanroim heraunahen, zieht es sie doch wieder in den Kreis ihrer Brüder zurück, um gemeinsam mit ihnen jenen Gottesdienst zu begehen, den sie im Elternhause gesehen und den selbst der größte Jndifferentismns im reiferen Alter aus ihrer Jngenderinnerung nicht verdrängen konnte. Und in der Mitte dieses Gottesdienstes, als Träger desselben, steht der jüdische Cantor. Heilige Weihe erfüllt das Gottes- Haus, andächtig lauscht Altes den Worten des Vorbcters, und so oft dieser eine jener ernsten, althergebrachten Weisen ertönen lässt, die schon vor Jahrhunderten die Bitten eines arg bedrängten Volkes zu Gottes Thron cmporleiteten und das Lob des Allmächtigen verkündeten, stimmt die Gemeinde glanbenssreudig ein in den Sang der Väter. So hat sich zu "allen Zeiten unser schöner und erhabener Gottesdienst als eine Hauptstütze des Jndenthums erwiesen, und den jüdischen Cantoren fiel hiebei die Mission zu, die Continuität des gottesdienstlichen Gesanges zu pflegen und seinen jüdischen Charakter zu bewahren. Diese hohe Bedeutung des Gottesdienstes sollten sich die jüdischen Cnltnsgemeinden stets vor Augen halten und gleichzeitig zur Erkenntnis gelangen, dass auch den Cantoren eine ihrem heiligen. Amte entsprechende, . würdigere Stellung im jüdischen Gemeindewesen zukommt. Wol sollen nur Berufene und würdige Männer vor den Altar Gottes hintreten, dafür zu sorgen ist in erster Linie Pflicht der jüdischen Gemeinden, wer aber von der Gemeinde für diesen heiligen Platz bestimmt ist, dem gebührt jene Rücksicht, die ein Diener Gottes kraft seines- Amtes fordern kann, und sobald dieselbe, von welcher Seite immer, außer Acht gelassen wird, wird hiedurch die Achtung vor dem jüdischen Gottesdienste untergraben. v. Die gottesdienstlichen Functionen des Cantors sind gemiss geeigiietT"sein^tWtbenlnst°tsem zu׳erhöhen. er ftinu ffcrfj sein auf seinen Beruf, besonders an den hohen Festtagen : aber dieser Stotz muß das ganze Jahr hindurch in ihm rege bleiben und sich dadurch äußern, dass er einerseits an seinen eigenen Leistungen den strengsten Maßstab aulegt und all sein Thun und Lassen mit seinem Amte in Einklang zu bringen sucht, und dass er anderseits auch der Gemeinde mib den anderen Fnnctiouären gegenüber all' das mit Würde und Entschiedenheit znrückiveist, was geeignet ist, das Ansehen seines Amtes zu schädigen. Jeder Einzelne kann selbst im kleinsten Wirknngskreise nach dieser Richtung thätig sein, und wenn erst Alle iunsgesammt von gleichem Streben erfüllt sind und sich zu gemeinschaftlicher Wahrung ihrer Interessen vereinigen, dann wird auch der Erfolg nicht ausbleiben. Leider scheint in unserer Bernfsgenossenschaft der Gemeinsinn ganz abhanden gekommen zu sein; man denkt nicht an Vereinigungen sondern sucht die Organisation der Bernfsgenossenschaft, die ja eigentlich in dem österr. Ungar. Cautoren-Berein, schon vorhanden ist, durch alle möglichen Künste zu untergraben und selbst zwischen den Cantoren der einzelnen Kronlünder Scheidewände aufznbanen. Wenn das so fortgeht, wird vielleicht Jemand auch ans den genialen Gedanken kommen, dass jede verschiedene Kutten- oder Kappenform eine eigene Jnteresfenvertretung haben soll, und schließlich wird man dahin gelangen, dass jeder einzelne Cantor für sich einen Verein bilden muß. Früher war das Gefühl der Zusammengehörigkeit ein viel regeres, und es wird darum von Bortheil fein, wenn wir einen Blick in die Vergangenheit werfen, wobei wir an zwei Namen auknüpfen wollen, die noch heute in der Cantorenwelt einen vollen Klang besitzen.

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