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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-09-15 · Heft 22 (15.9.1897) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 22 (15.9.1897)
Date
1897-09-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Üesterreichisch-ungarische I Redaction ». Administration Wicn,2.Novaragassc 27. A. k. österr. ssostsparcaffe Lheck-Lonto Nr. 635,240. Juseratr Iverdrii billiftst berechnet. Manuscripte werden nicht relöurnirl. filr die Interessen der Cantoren nnd Cultusbrsmten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor isvolr Lausr. >! oder 5 Rubet. Für ßthiAt« mit• ün|Mt»t« (SonsiBDrift . ... fl. 6.— ־Rbtumeiuenta- ». 31»fevth'11abetrüg« Nnd in Wien zntzlbnr. PränumerationS-PreiS. FnrL,,n1»renn.Lnltn»bentt1te iir VeNerreirli-Nngiir» Ganzjähria ..... fl. 5.— SalbMrig.fl. 2.50 FiirLnnkorenn.Enltnsbemnte in» Atnslnnd Nr. 22. Wien» 15. SWtrmbee 1897. 17. Jahrgang. Zum allgemeinen Cantoren- oder Cultusbeamtentag.; Als Augenzeuge der vor ׳ einigen Tagen in Prag abgehalteuen ״Lehrcrversammlung" sei es mir gestattet, anknüpfend an den letzten bcherzigeuswertheu und trefflichen Leitartikel in der österr-.-ungar. Cantoreu-Zeitung in Folgendem meine bescheidene Ansicht über die Situation der Cantoren im Allgemeinen undspeciell über -die Verhältniße öer Cultirsbeamieu in Böhmen darzulegcn. Der Lehrerverein in Böhmen begeht demnächst sein 25 jähriges Bestandsjubiläum. Die Leitung des Vereines liegt in ausgezeichneten Händen, er wird auch von der Landesjudenschaft ausgiebig unterstützt, und ist demgemäß kein Wunder, wenn dieser ״Kronlandsverein" über 200 Mitglieder zählt, eine vorzügliche Organisation und ein ansehnliches Vermögen (circa 130.000 st.) besitzt. Die Mitglieder rekrutieren sich zu fast-zwei Drittheilen aus solchen Lehrern, welche zugleich als Rabbiner, Cantoren u. s. w. fungieren. Diese Mitglieder welche, wie ich bei der letzten Versammlung die Erfahrung machte, mit allen Fasern ihres Wesens, mit allen ihnen zu Gebote stehenden moralischen und materiellen Kräften dem Vereine zugethan sind, können von dieser Corporation nunmehr absolut nicht abtrünnig gemacht werden. Es dürste demgemäß in Böhmen kaum 25—30 Cultusbeamte, ausschließlich Cantoren und Religionslehrer, respective Obercantoreu geben, welche dem Verbände -nicht ängehören nnd zum Beitritt in den ״österr.- Ungar. Cantorenverein" veranlasst werden könnten?) *) Der geschätzte Autor hat uns mißverstanden, wenn er glaubt, dass wir mit unserem letzten Artikel nur irgendwie den Zweck verfolgten, die Mitglieder des Lchrervereines ihrem Verbände abtrünnig zu machen. Das wäre׳ einfach lächerlich. Wir plaidierten einzig und allein für die Gründung eines großen, die gesummte Monarchie umfassenden Verbandes, ein.Standpunkt, den'dcr geschätzte Autor gleich,in den nächstfolgenden Zeilen vertritt.-Im klebrigen müssen wir, die wir über die Verhältniße in Böhmen sehr eingehend informiert sind, sehr bezweifeln, dass es daselbst nicht, mehr als' 20^—25 außerhalb des Lehrervereines stehende Cultusbeamte gibt. Ja wäre ihre Zahl nicht bedeutend größer,' und zwar größer als selbst' die Mitgliederzähl des Lehrervereines, dann hätte sich wohl der Vorstand dieses Vereines nicht veranlasst. gefühlt,, zur Heranziehung der. Fernstehenden einen besonderen Aufruf ergehen zn lassen. - (Die Red.) .Zur Hintanhaltung der Zersplitterung der Kräfte ist also» heute die Mahnung in. der Cantoren-Zeitung wenigstens für Böhmen zu spät. Wohl aber dürften die Herren College« die wohlmeinende Warnung im Nachbartande Mähren beherzigen und ihre babylonischen Pläne ausgeben. Wer übrigens der Sache aus den Grund schaut, wer die Verhältniße und die überaus, traurige Lage der Cultusbeamten kennt, der wird sicherlich keinen Augenblick daran zweifeln, dass, um t hat sächlich activuss ä h i g zu. werden., die Vereinignngsä-mm t L i ch e r C u l t u s-. beamten früher oder später eintreten muß und unbedingt unerlässlich ist. Leider verhallt der so oft wiederholte Nus zur Vereinigung, ohne Anklang zu finden, und wir müssen nnwillkürlich, an den weisen Spruch Salomos denken: ״Wie lange, o Fauler, willst du liegen," unterdrückt und geknechtet, wann willst du ausstehcn von deinem Schlafe, wann deine Augen öffnen und zur Erkenntnis gelangen, dass diese Zustände nnerträglich sind und aus irgend einer Weise Besserung hcrbeigeführt werden muß? Staunend richten wir an uns selbst Frage: ״Warum diese Gleichgiltigkeit, woher dieser grenzenlose Leichtsinn"? Die ansklärende Antwort liegt jedoch dem Eingeweihten gar nicht fern. Wir müssen nur prüfend die Schaar unserer Schicksalsgenossen in Augenschein nehmen und wir werden constatiercn, wie unendlich groß die Zahl derjenigen College» (besonders in Ungarn und Siebenbürgen) ist, denen es an dem nöthigen Unabhängigkeitsgesühl und Selbstbewusstsein mangelt׳— wir wollen hiebei schonend keine härtere Bezeichnung wählen — dass sie sich nicht an dem gewöhnlichen Arbeiter ein Beispiel nehmen und sich endlich regen und aufraffcn, um etwas zur Verbesserung ihrer traurigen Lage zu thnn. Ja diese Herren bemerken die eigene Blöße nicht und bedürfen, gleich dem׳ ersten Menschenpaare Adam und Eva, erst des Genusses von einem ״Ez-Hadaaß", jedoch mit dem Unterschiede, dass, während Letzteren schon vom Verkosten der Früchte des Baumes die Augen geöffnet wurden, so׳ dass sie zwischen Tauw-wera zu unterscheiden vermochten, die Ersteren erst durch Anwendung einer recht knotigen Rute von einen ״Ez-Hadaaß" aus die Culturstuse der Erkenntnis gebracht werden könnten. Aufrufe, Mahnungen und Warnungen, mögen selbe noch so viel beherzigenswerthe Wahrheiten enthalten, verhallen wirkungslos

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